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Stärkster Schmerzzuwachs bis Mitte 50

Schmerzen sind weltweit die häufigste Ursache für gesundheitliche Einschränkungen. Eine neue Auswertung zeigt, dass Schmerzen von Alter, Geschlecht und Einkommen beeinflusst werden. Und: Der stärkste Zuwachs erfolgt meist schon vor dem 55. Lebensjahr.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 06.10.2026  15:00 Uhr

Schmerzen nehmen nicht zwangsläufig mit dem Alter immer weiter zu. Darauf deutet eine Studie hin, die aktuell in »Nature Medicine« erschienen ist. Auch sind Schmerzen kein einheitliches Phänomen: Je nach betroffenem Körperteil zeigen sich unterschiedliche, nicht lineare Verläufe. Der stärkste Anstieg der Schmerzprävalenz erfolgt laut der Gruppe um Matt Fillingim von der McGill University in Montreal, Kanada, bereits vor dem 55. Lebensjahr. Eine wichtige Rolle spielen dabei Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, das Einkommen und die Herkunftsregion.

Um besser zu verstehen, wann Schmerzen auftreten und welche Faktoren sie begünstigen, analysierten die Wissenschaftler mehr als 900 Datensätze aus den Jahren 1990 bis 2025. Grundlage waren selbst berichtete Schmerzdaten von mehr als sechs Millionen Menschen im Alter von fünf bis über 100 Jahren aus 118 Ländern. Anhand der Angaben erstellten sie alters- und geschlechtsspezifische Referenzkurven für elf verschiedene Schmerzlokalisationen.

Alters-, Geschlechts- und regionale Unterschiede

Zunächst zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schmerzformen. Die Prävalenz reichte von 2,5 Prozent für Gesichtsschmerzen bis zu 45,0 Prozent für Rückenschmerzen. Zudem nehmen Schmerzen mit dem Alter nicht gleichmäßig zu. Kopf- und Bauchschmerzen treten häufiger in jüngeren Jahren auf, während Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen vor allem im höheren Lebensalter zunehmen. Über alle untersuchten Schmerzarten hinweg lag der stärkste Anstieg jedoch vor dem 55. Lebensjahr. Frauen berichteten für alle untersuchten Körperregionen häufiger über Schmerzen als Männer.

Risikofaktoren wie Rauchen, Adipositas und ein niedriges Einkommen waren insbesondere in Ost- und Westeuropa sowie Nord- und Lateinamerika mit einem erhöhten Schmerzrisiko verbunden. Weltweit waren 18,3 Prozent der Schmerzbelastung auf diese drei beeinflussbaren Risikofaktoren zurückzuführen. In Subsahara-Afrika sowie Zentral- und Südasien erklärten diese Faktoren dagegen einen deutlich geringeren Teil der Schmerzbelastung. Dort könnten andere Faktoren wie körperliche Arbeitsbelastung oder ein eingeschränkter Zugang zu Schmerztherapien eine größere Rolle spielen.

Schmerzprävention sollte früher ansetzen

Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren liefert die Studie wichtige Hinweise für Präventionsstrategien. Maßnahmen zur Vorbeugung sollten demnach bereits im frühen Erwachsenenalter ansetzen und regionale Besonderheiten berücksichtigen.

Das bestätigt auch Professor Dr. Ulrike Bingel vom Universitätsklinikum Essen, die die Studie für das Science Media Center Deutschland bewertet hat: »Die vielleicht wichtigste Botschaft für die Prävention ist, dass wir nicht erst im höheren Lebensalter ansetzen dürfen, denn bei vielen Schmerzformen nimmt die Belastung bereits im frühen und mittleren Erwachsenenalter deutlich zu.«

Nach Aussage der Autoren handelt es sich bei den vorliegenden Daten um eine der bislang umfangreichsten Analysen zur Schmerzepidemiologie. Obgleich die Daten auf Selbstberichten beruhen, hebt Professor Dr. Jonas Tesarz von der Universitätsmedizin Mainz hervor: »Die methodische Stärke der Studie liegt vor allem darin, sehr unterschiedliche vorhandene Datensätze so zu harmonisieren, dass sich Schmerz erstmals in dieser Größenordnung über Länder und Altersgruppen hinweg vergleichen lässt.«

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