| Barbara Döring |
| 17.02.2026 08:00 Uhr |
Urbane Stressoren können das Sozialverhalten von Tieren verändern und die Fortpflanzung gefährden. / © Adobe Stock/Boris RIBARD
Urbane Stressoren wie ständiger Lärm, Licht in der Nacht, versiegelte Flächen, chemische Verschmutzung oder zu wenig Rückzugsmöglichkeiten greifen viel stärker in die sozialen Beziehungen von Tieren ein als bisher angenommen. Das zeigt eine internationale Übersichtsarbeit von Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld, die im Fachjournal »Biological Reviews« erschien. Die Forschenden werteten 227 wissenschaftliche Studien zum Thema aus und fanden bei 92 Prozent der Arbeiten einen signifikanten Einfluss der Urbanisierung auf das Sozialverhalten der Tiere.
Ob sie einen Partner finden, wie sie in Gruppen zusammenleben, ob sie konkurrieren oder kooperieren, beeinflusst, ob Wildtiere wie Singvögel, Nager, Eidechsen und Co. Nahrung finden, Fressfeinden entkommen oder sich fortpflanzen.
Besonders gut ist der Einfluss von Lärm untersucht, der etwa Vogelgesang, Warnrufe oder Balzsignale überdecken kann. Noch wenig ist über andere Faktoren bekannt, etwa Lichtverschmutzung oder neue Begegnungen zwischen Arten. Mehr als die Hälfte der untersuchten Studien beschäftigte sich mit dem urbanen Einfluss auf Vögel. Wie andere Tiergruppen wie Reptilien oder Insekten damit umgehen, ist deutlich weniger gut untersucht.
Die Arbeit macht deutlich, dass Verhaltensänderungen bei tierischen Stadtbewohnern deren Fortpflanzungserfolg direkt beeinflussen können, was langfristig ganze Populationen gefährdet.
Aus den Ergebnissen lassen sich laut der Autorinnen wichtige Folgerungen für den Naturschutz und eine nachhaltige Stadtentwicklung ziehen. Städte der Zukunft müssten Lebensräume sein, die nicht nur den Bedürfnissen von Menschen gerecht werden.