| Annette Rößler |
| 23.09.2026 14:00 Uhr |
Doktorhüte gibt es an deutschen Universitäten keine zu erwerben, Doktortitel aber schon. / © Shutterstock/Hanz2881
Wie, wo und warum? Antworten auf diese drei Fragen rund um die Promotion gab es in einem Workshop bei der Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) in Regensburg. Wobei Pharmaziestudierende oder junge Approbierte, die sich mit dem Gedanken einer Promotion tragen, die Reihenfolge der Fragen am besten umdrehen sollten. Denn ohne eine gute Antwort auf das Warum, also ohne eine intrinsische Motivation, dürfte es schwierig sein, die Rückschläge, die eine Promotion zwangsläufig mit sich bringt, wegzustecken.
Denn dass solche Rückschläge kommen, sei unausweichlich, wie mehrere Referentinnen und Referenten betonten. »Man braucht eine starke Resilienz«, sagte etwa Lorena Vogel vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), die aktuell in Freiburg studiert. Dr. Anne Seidlitz, Professorin für Pharmazeutische Technologie an der Freien Universität Berlin, formulierte es so: »Es ist eine sehr arbeitsreiche Zeit, aber auch eine Zeit, in der sich die Persönlichkeit formt.« Das könne horizonterweiternd sein – und die Pläne für die Zukunft verändern; sie selbst habe erst im Laufe ihrer Promotion eine wissenschaftliche Karriere an der Universität für sich in Erwägung gezogen.
Auch Professor Dr. Robert Fürst, Pharmazeutischer Biologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sagte: »In einer Doktorarbeit passieren viele Dinge, die frustrieren können. Wissenschaft bedeutet, dass neun von zehn Versuchen nicht erfolgreich sind.« Seidlitz ergänzte: »Das eine Mal von zehn, wenn etwas dann aber tatsächlich so funktioniert, wie man es sich vorher überlegt hat, ist euphorisierend.«
An der Uni verdient man jedoch zunächst deutlich weniger als in der Apotheke oder in der Industrie – und es ist nicht gesagt, dass sich dies durch eine besser bezahlte künftige Stelle wieder ausgleicht. »Ob es sich finanziell lohnt, weiß ich jetzt noch nicht, aber für mich lohnt sich die Promotion vor allem wegen der persönlichen Erfahrungen, die ich dabei sammele«, berichtete Bernadette Vallaster, die in Pharmazeutischer Chemie an der Universität Regensburg promoviert. Man lerne die eigenen Stärken und Schwächen sehr genau kennen. Weitere Pluspunkte aus ihrer Sicht: dass man sich – abgesehen von den Praktika, die man zu betreuen hat – den Tag frei einteilen kann und dass man eben diese Praktika »von der anderen Seite kennenlernt, nämlich als Betreuer«.
Auch Jannik Fischer, Doktorand in Klinischer Pharmazie an der Freien Universität Berlin, brach eine Lanze für die Lehre. Ihm mache die Betreuung der Studierenden viel Spaß und er empfinde die Lehre als bereichernd. Seidlitz pflichtete ihm bei: »Den Überblick über das Fachgebiet, in dem man promoviert, bekommt man durch die Lehrveranstaltungen, die man hält. Das ist eine wichtige Ergänzung des Spezialwissens, das man zu seinem eigentlichen Promotionsthema erwirbt.«
Welches sind also die wichtigsten Eigenschaften, die man für eine Promotion mitbringen sollte? Interesse am Thema, Selbstständigkeit und Optimismus, so das Ergebnis einer Abstimmung unter den Workshop-Teilnehmenden. Dass das Interesse am Thema an erster Stelle landete, leuchtet ein, doch hierzu hatten die Professoren eine Anmerkung: »Das genaue Thema wird immer zuletzt festgelegt, weil man das in dem Moment spannendste Thema wählen möchte«, sagte Dr. Ulrich Jaehde, Professor für Klinische Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Fürst bestätigte: »Viele Promotionsstudierende wollen vorher ganz genau wissen, was sie machen werden. Doch das kann sich im Forschungsbetrieb innerhalb eines halben Jahres ändern. Da braucht man Flexibilität.« Das Wichtigste sei, eine Fachrichtung zu wählen, die einem liegt, und ein Interesse für das übergeordnete Thema der Arbeitsgruppe, bestätigte Seidlitz.
Damit eine Bewerbung auf eine Promotionsstelle schließlich erfolgreich ist, sei die Abschlussnote weniger entscheidend als häufig angenommen, berichteten die Hochschullehrenden. Selbstverständlich müssten Bewerberinnen und Bewerber qualifiziert sein, was sich jedoch längst nicht ausschließlich durch sehr gute oder gute Noten im Studium ausdrücke. Begeisterung für die Wissenschaft, Teamfähigkeit und Resilienz seien ebenso entscheidend.
Im Bewerbungsschreiben sollten daher auch persönliche Details, die auf diese Eigenschaften schließen lassen, erwähnt werden, etwa ein Engagement im Sportverein. Aus demselben Grund sollten alle Zeugnisse beigefügt werden, auch das Abiturzeugnis. »Die Abiturnote wird sicherlich nicht darüber entscheiden, ob Sie die Promotionsstelle bekommen oder nicht. Aber welche Leistungskurse ein Bewerber hatte oder welche AGs er zusätzlich belegt hatte, sagt auch etwas über ihn aus«, erklärte Fürst. Im Bewerbungsgespräch komme es dann darauf an, authentisch zu sein und echtes Interesse für die Arbeitsgruppe zu zeigen.
»Wenn man von vorneherein sehr genau hinschaut, hat man den Grundstein für Erfolg gelegt«, fasste Jaehde zusammen – wobei dies ausdrücklich für beide Seiten gelte.