Komaglotzen: Wenn Serien zur Droge werden, spielt laut einer chinesischen Studie auch Einsamkeit eine Rolle. / © Adobe Stock/stokkete
Viele Menschen verbringen ihre Abende mit Serienmarathons. Doch exzessives sogenanntes Binge-Watching kann problematisch werden. Eine Studie aus China weist darauf hin, dass insbesondere suchtähnliches Binge-Watching mit Gefühlen von Einsamkeit verknüpft sein kann.
Einsamkeit erhöht der Untersuchung zufolge wohl das Risiko dafür, in eine Sucht nach exzessivem Serienkonsum zu geraten. Das chinesische Forschungsteam von der Huangshan University kommt nach ausführlichen Befragungen im Fachmagazin »Plos One« zu dem Schluss, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Einsamkeit und einem stärkeren Hang zu einer Binge-Watching-Sucht gibt.
Das Phänomen Binge-Watching kam vor einigen Jahren mit dem Streaming-Boom auf, zu dessen Beginn noch viele Anbieter ihre Serien-Staffeln an einem Tag komplett auf einen Schlag veröffentlichten.
Die chinesischen Forschenden gehen davon aus, dass sich Menschen mit Binge-Watching-Sucht in ihren Motiven deutlich von Vielsehern ohne Suchtverhalten unterscheiden. Entscheidend sei die psychologische Funktion, die das Schauen erfülle.
Das Team machte hierbei zwei Muster fest: Das Binge-Watching wird demnach oft genutzt, um negativen Gefühlen zu entkommen und gleichzeitig positive Emotionen zu verstärken.
Aus Sicht des Autorenteams deutet dies darauf hin, dass problematisches Binge-Watching vor allem dann entsteht, wenn das Verhalten der emotionalen Selbstregulation dient. Menschen, die sich einsam fühlen, nach emotionaler Erfüllung suchen oder Serien gezielt als Fluchtmechanismus einsetzen, hätten demnach ein erhöhtes Risiko, eine Binge-Watching-Sucht zu entwickeln.
Für die Untersuchung befragten die Wissenschaftler 551 chinesische Erwachsene, die besonders viel fernsahen. Voraussetzung für die Teilnahme war ein Serienkonsum von mindestens dreieinhalb Stunden pro Tag und mehr als vier Episoden pro Woche. Die Teilnehmenden beantworteten Fragen zu ihrem Sehverhalten, ihren Motiven dafür und ihrem Einsamkeitsempfinden.