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Biliäre Cholangitis
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Seladelpar im Handel

Bei der Autoimmunkrankheit primär biliäre Cholangitis gehen Zellen der Gallenwege und der Leber zugrunde. Dies führt zu schweren Leberschäden. Der neue Wirkstoff Seladelpar kann erhöhte Leberwerte reduzieren und den quälenden Juckreiz dämpfen.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 04.04.2025  07:00 Uhr

Das Medikament Seladelpar Gilead (10 mg Hartkapseln) hat eine bedingte Zulassung zur Behandlung der primär biliären Cholangitis (PBC; Kasten) in Kombination mit Ursodeoxycholsäure (UDCA) bei Erwachsenen, die nicht ausreichend auf UDCA ansprechen, oder als Monotherapie bei Patienten, die UDCA nicht vertragen. In den USA wird Seladelpar als Livdelzi® vermarktet.

Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg einmal täglich, die der Patient zu oder unabhängig von einer Mahlzeit schlucken soll. Hat er dies vergessen, sollte er die nächste Dosis zum nächsten regulären Zeitpunkt einnehmen, aber keine Dosis verdoppeln. Bei leichter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich; beim Fortschreiten zu einer mittelschweren Leberinsuffizienz ist ein Abbruch der Behandlung zu erwägen. Die Anwendung bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung wird nicht empfohlen.

Wie wirkt Seladelpar?

Seladelpar ist ein Agonist am Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor delta, kurz PPARδ, also ein »Delpar«. Das seit Herbst 2024 zugelassene Elafibranor ist ein dualer PPARα/δ-Agonist.

Der Kernrezeptor PPARδ wird in der Leber und anderen Geweben exprimiert. Seine Aktivierung verringert die Gallensäuresynthese in der Leber durch die Fibroblasten-Wachstumsfaktor-21-abhängige Herunterregulierung von CYP7A1; dies ist das wichtigste Enzym für die Gallensäuresynthese aus Cholesterol. Zudem werden die Cholesterol-Synthese und -Resorption vermindert. In der Folge nehmen die Konzentration an zirkulierenden Gallensäuren und die Exposition in der Leber ab.

Biochemisch und klinisch wirksam

Wirksamkeit und Sicherheit von Seladelpar wurden in der Phase-III-Zulassungsstudie RESPONSE nachgewiesen. 193 Patienten, die nicht ausreichend auf UDCA angesprochen hatten oder diese nicht vertrugen, aber keine dekompensierte Erkrankung hatten, erhielten zwölf Monate lang täglich peroral Seladelpar 10 mg oder Placebo; zwölf davon bekamen Seladelpar oder Placebo als Monotherapie wegen einer Unverträglichkeit gegen UDCA. Als primärer Endpunkt war ein biochemisches Ansprechen nach 52 Wochen definiert (alkalische Phosphatase, ALP < 1,67 × ULN, Gesamtbilirubin ≤ 1 × ULN und ALP-Abnahme ≥ 15 Prozent vom Ausgangswert; ULN: Upper Limit of Normal, Obergrenze des Normalwerts). Sekundärer Endpunkt war die Veränderung des Juckreizes nach sechs Monaten.

Den primären Endpunkt erreichten 62 Prozent der Patienten in der Seladelpar-Gruppe und 20 Prozent in der Placebogruppe. Bei einem Viertel der Patienten normalisierte sich der ALP-Wert unter Verum, aber bei keinem in der Placebogruppe. Der Juckreiz nahm bei Teilnehmern mit moderatem bis schwerem Pruritus (Pruritus-NRS-Score ≥ 4) nach sechs Monaten signifikant ab gegenüber Placebo. Die Patienten berichteten bereits im ersten Monat über eine Besserung, die sich fortsetzte.

Die Nebenwirkungsraten waren nahezu gleich: 84,6 Prozent unter Placebo und 86,7 Prozent unter Seladelpar; am häufigsten war Pruritus. Die weiteren häufigsten Nebenwirkungen waren Bauch- und Kopfschmerzen, Übelkeit und Blähungen. 

Vorsichtsmaßnahmen

Unter höheren Seladelpar-Dosen wurde ein dosisabhängiger Anstieg der Transaminasen im Serum (Aspartat- und Alanin-Aminotransferasen) beobachtet. Zu Beginn der Behandlung sollten daher klinische und laborchemische Untersuchungen erfolgen und die Werte anschließend routinemäßig überwacht werden. Bei vollständiger biliärer Obstruktion ist Seladelpar zu vermeiden und bei Verdacht darauf ist die Behandlung zu unterbrechen.

Die gleichzeitige Anwendung zusammen mit Inhibitoren von Arzneistofftransportern wie BCRP, OATP1B1 und -1B3 sowie OAT3 kann zu einem Anstieg der Seladelpar-Exposition führen. Daher wird die gleichzeitige Anwendung von Probenecid, das ein OAT1-, OAT3- und OATP1B1-Inhibitor ist, nicht empfohlen.

Seladelpar wird vorwiegend über CYP2C9 und in geringerem Maß über CYP2C8 und -3A4 metabolisiert. Daher sollten Patienten engmaschig überwacht werden, wenn sie zeitgleich Inhibitoren oder Induktoren dieser Enzyme einnehmen.

Gallensäurebindende Harze wie Cholestyramin, Colestipol oder Colesevelam können die Absorption von Arzneimitteln verringern. Daher sollte ein Einnahmeabstand von mindestens vier Stunden eingehalten werden.

Vorsichtshalber soll Seladelpar während der Schwangerschaft vermieden werden.

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