v.l.n.r.: Tatjana Zambo (Präsidentin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg), eine Mitarbeiterin der Paracelsus-Apotheke, Florian Wahl (SPD Baden-Württemberg), Lina Seitzl (SPD) und Martin Braun (Präsident der Landesapothekerkammer). / © Ivana Conda
In der 20 Kilometer von Stuttgart entfernten Stadt trafen sich am Montag Seitzl und Wahl in der Paracelsus-Apotheke mit Tatjana Zambo, Präsidentin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg und Martin Braun, Präsident der Landesapothekerkammer. Themen des Termins waren die Gewährleistung einer flächendeckenden Arzneimittelversorgung, der zunehmende Nachwuchsmangel in den Apotheken und die Bürokratie.
»Apotheken sind ein zentraler Pfeiler unserer öffentlichen Daseinsvorsorge. Für die ländliche Versorgung ist es ein großes Problem, wenn immer mehr Apotheken schließen«, sagte Seitzl laut einer Pressemitteilung ihres Büros und fügte hinzu: »Wir brauchen eine strukturelle Stärkung, und gezielte Unterstützung für Standorte im ländlichen Raum. Versorgungssicherheit ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.«
Für Florian Wahl, der mit Andreas Stoch (SPD) für den Landtag kandidiert, treffen die Schließungen von Apotheken insbesondere ältere und chronisch kranke Menschen. »Unser Ziel sind gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Dazu gehört eine stabile Apothekenstruktur, die flexibel arbeiten kann und Planungssicherheit hat«, sagte er.
Tatjana Zambo und Martin Braun betonten bei dem Termin die besondere Verantwortung der Apotheken im Gesundheitswesen. Als niedrigschwellige Anlaufstellen trügen sie maßgeblich zur Stabilität der Versorgung bei und übernähmen täglich ein hohes Maß an fachlicher Verantwortung. Reformen müssten deshalb so ausgestaltet werden, dass Qualität, Patientensicherheit und klare Verantwortungsstrukturen gewahrt bleiben.
Zambo und Braun beziehen sich dabei auf eine mögliche PTA-Vertretung in Apotheken, die im Apotheken-Versorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) vorgesehen ist. Geplant ist, dass die Behörde eine Genehmigung für eine PTA-Vertretung nur erteilen darf, wenn sich im Umkreis von mindestens sechs Kilometern keine weitere Apotheke befindet, und zwar für maximal 20 Tage im Jahr, jedoch höchstens zehn Tage in Folge. Der Bundesrat lehnt die PTA-Vertretung ab, die Bundesregierung hält jedoch daran fest. Die erste Lesung der Apothekenreform wird morgen im Bundestag stattfinden. Die Apothekerschaft befürchtet, dass dadurch Apotheken ohne approbierte Apothekerinnen und Apotheker entstehen könnten.
Ein weiteres Thema des Gesprächs war die wachsende Rolle der Apotheken in Prävention, Impfangeboten und pharmazeutischen Dienstleistungen. Hier liegen große Potenziale, die Kompetenzen der Apotheken noch stärker in die Patientenversorgung einzubinden und Versorgungsengpässe abzufedern. Dies ist sowohl im Koalitionsvertrag verankert als auch in der Apothekenreform vorgesehen. Während ihrer Befragung im Bundestag betonte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erneut, dass Apotheken stärker in die Prävention einbezogen werden sollten.
»Apotheken sind oft die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten im Gesundheitssystem. Sie leisten damit eine wertvolle Arbeit, indem sie ihr Angebot niedrigschwellig, verantwortungsvoll und nah an den Menschen zur Verfügung stellen«, sagte Seitzl beim Termin. »Eine moderne Reform muss Bürokratie reduzieren und die pharmazeutische Kompetenz der Fachkräfte stärken. Unser Anspruch ist klar: gute Versorgung für alle, unabhängig vom Wohnort und vom Geldbeutel.«