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Diskussionsrunde
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Schritte zur Apotheke der Zukunft

Die berufspolitische Veranstaltung im Rahmen des Fortbildungskongresses Pharmacon in Schladming befasste sich mit Perspektiven und Strategien der Apotheke der Zukunft. Der komplette Vorstand der Bundesapothekerkammer (BAK)  stellte sich der Diskussion mit den Teilnehmenden.
AutorKontaktAnnette Rößler
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 22.01.2026  10:30 Uhr

Wie wird sich die geplante Apothekenreform auf die Arbeit in der Offizin auswirken? Diese Frage bildete den Ausgangspunkt der berufspolitischen Diskussion. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage vermisst die Apothekerschaft in dem Reformvorhaben die im Koalitionsvertrag angekündigte Erhöhung des Fixums schmerzlich. Doch abgesehen davon kann BAK-Präsident Armin Hoffmann der geplanten Reform auch Positives abgewinnen, etwa die Ausweitung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL).

»Wir plädieren dafür, die Chance, die wir hier bekommen, zu ergreifen«, sagte Hoffmann. BAK-Vorstandsmitglied Hannes Müller pflichtete ihm bei: Der Topf, aus dem die pDL finanziert werden, sei »prall gefüllt«. Es sei wichtig, pDL verstärkt anzubieten und abzurechnen. Mit den bereits etablierten plus den geplanten pDL stehe den Apotheken ein bunter Strauß an Dienstleistungen zur Verfügung, mit denen sie einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Volkskrankheiten leisten können. »Darum muss es uns gehen: das Gesundheitssystem voranzubringen und den Zugang der Patientinnen und Patienten dazu zu erleichtern«, betonte Hoffmann.

Gesundheitskompetenz stärken, Impfquoten verbessern

Als niedrigschwellige Anlaufstelle in Gesundheitsfragen kommt den Apotheken eine entscheidende Rolle zu – etwa wenn es darum geht, Fehlinformationen aus dem Internet zu korrigieren. »Dr. Google hat die Gesundheit der Bevölkerung nicht verbessert«, sagte BAK-Vizepräsidentin Franziska Scharpf. »Im Gegenteil: Wir sehen, dass die Gesundheitskompetenz immer schlechter wird.« Ein Beispiel seien die Impfquoten, die in Deutschland schlechter seien als im EU-Durchschnitt. Wenn Apotheken künftig nicht nur Grippe- und Covid-19-Impfungen, sondern sämtliche Impfungen mit Totimpfstoffen anbieten dürften, könne das die Impfquoten deutlich verbessern. Hoffmann ergänzte, dass dann wahrscheinlich auch noch mehr Apotheken ein Impfangebot machen würden als bisher, weil sich der Aufwand mehr lohne.

Ob mehr Kompetenzen für die Apotheken oder neue pDL: Für all dies müssen Apothekerinnen und Apotheker informiert und stets fortgebildet sein. Daher sind Rufe nach einer Nachweispflicht der Fortbildung nicht  überraschend. Krankenhausapothekerin Maike Fedders betonte, dass der BAK-Vorstand dieses Thema auf der Agenda hat: »Wir brauchen die Nachweispflicht der Fortbildung analog zur Ärzteschaft oder analog zur Apothekerschaft in anderen europäischen Ländern.« Mit Hoffmann stimmte sie überein, dass  wahrscheinlich schon sehr bald etwas dazu kommen werde. Bei vielen Kolleginnen und Kollegen im Plenum fand dies Zuspruch. Dass einige Apotheken, die schlecht oder nicht beraten, den Ruf der Masse mitbeschädigen, dürfe nicht sein, brachte es eine Kollegin auf den Punkt.

Fortbildungsnachweis verpflichtend machen

Neben der Nachweispflicht für die Fortbildung machte sich Fedders für ein zweites Thema stark: die Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO). Das Pharmaziestudium müsse attraktiv bleiben beziehungsweise noch attraktiver werden. Hoffmann wiederholte seine Forderung, dass es in dieser Sache zügig vorangehen müsse. Immerhin werde es mit einer novellierten AAppO immer noch Jahre dauern, bis erste Absolventen danach studiert haben. Das Bundesgesundheitsministerium habe nun allerdings die Apothekenreform prioritär behandelt und wolle sich erst danach der AAppO-Novelle widmen. »Aber wir bleiben da dran«, versprach Hoffmann.

Der Präsident verriet, dass es bei der BAK auch Überlegungen gibt, wie man es PTA einfacher machen kann, Pharmazie zu studieren. Eine Verkürzung des Studiums scheide aus, weil ein Pharmaziestudium gemäß der europäischen Vorgabe mindestens vier Jahre dauern muss. Hoffmann versprach aber, dass es einen Vorschlag für ein Curriculum geben werde speziell für PTA. Ob dies bezüglich des Personalmangels in der Apotheke Entlastung bringen werde, sei jedoch fraglich. Denn schließlich hinterlassen PTA, die zu Approbierten werden, auch wieder eine Lücke. 

Wie BAK-Vorstandsmitglied Stephanie Tiede deutlich machte, ist es wichtig, sich um die Nachwuchsarbeit zu kümmern. Sie riet zum Beispiel dazu, Schülerpraktika in den Apotheken anzubieten, um so Nachwuchs für den Arbeitsplatz Apotheke zu begeistern.

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