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Ärztepräsident Reinhardt 
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»Schnelltests haben in der Apotheke nichts verloren« 

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat die Apothekenreform und darin vorgesehene Kompetenzerweiterungen erneut scharf kritisiert. Außerdem forderte er eine Entlastung der Krankenkassen und sprach sich für ein Primärarztmodell aus. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 08.01.2026  17:30 Uhr

Die Ärzteschaft mobilisiert seit Monaten gegen die von der Bundesregierung geplante Apothekenreform. Die Mediziner stören sich vor allem an den geplanten neuen Kompetenzen für Apotheken. Am Mittwoch griff Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), das Thema auf der Neujahrspressekonferenz der BÄK noch einmal auf. 

»Ich glaube, dass Schnelltests in der Apotheke nichts verloren haben«, sagte der Ärztepräsident. »Sie bringen die Leute durcheinander, weil Befunde erhoben werden, deren Qualität unter Umständen fragwürdig ist und deren Interpretation sowieso in einer Arztpraxis stattfinden muss. Ich finde: Schuster bleib bei deinen Leisten. Jeder soll das tun, was er vernünftigerweise tut.« 

Der Ärztepräsident sagte, dass er nichts dagegen habe, wenn Apotheken ein Impfangebot machen. »Trotzdem muss man sagen, dass wir nicht an einem Mangel an Arztpraxen leiden, in denen Impfungen stattfinden können. Wenn ich die Zahlen richtig kenne, ist der Beitrag, den Apotheken bisher zur Förderung der Impfungen bei Corona und Influenza geleistet haben, überschaubar«, so Reinhardt. Angesichts des Apothekensterbens sei nicht ersichtlich, wie die Apotheken gleichzeitig einen großen Beitrag zu Impfungen leisten sollen. 

Die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten durch Apotheken ohne ärztliche Indikation bezeichnete Reinhardt als »absoluten No-Go«. Schon heute sei es »gelebte Realität«, dass ein Patient mit Dauermedikation, dem am späten Freitagnachmittag ein wichtiges Medikament ausgeht, sein Medikament erhalte und die Verordnung nachreichen kann. »Sowas kann man natürlich auch formalisieren, damit es eine legale Berechtigung erhält. Über sowas kann man sicherlich sprechen, aber das ist etwas ganz anderes«, sagte Reinhardt. 

Krankenkassen entlasten 

Der BÄK-Präsident sprach sich auf der Pressekonferenz außerdem für eine Entlastung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus. Als Sofortmaßnahme müssten versicherungsfremde Leistungen, vor allem bei der Finanzierung der Krankenkassenbeiträge von Bürgergeldempfängern, wegfallen. »Dabei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die aus Steuermitteln finanziert werden muss«, sagte Reinhardt. Ergänzend sprach er sich für eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent sowie für zweckgebundene Abgaben auf Alkohol, Tabak und Zucker aus. Diese beiden Vorsachläge hatte auch die ABDA unlängst gegenüber der Finanzkommission formuliert.

Neben kurzfristigen Entlastungen hält Reinhardt zügig mittelfristig wirksame Strukturreformen für notwendig. Ein zentrales Handlungsfeld bleibe die Neuordnung der Krankenhauslandschaft. »Strukturveränderungen sind notwendig, sie müssen jedoch medizinisch sinnvoll, regional differenziert und personell tragfähig sein«, so der BÄK-Präsident. Qualität, Versorgungssicherheit und Erreichbarkeit dürften dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Insgesamt müsse die Versorgung besser koordiniert werden. Für den ambulanten Bereich plädierte Reinhardt für verbindliche primärärztliche Einschreibemodelle sowie für eine verlässliche strukturierte Ersteinschätzung – telefonisch, digital oder vor Ort. Langfristig komme es entscheidend auf Prävention und die Bekämpfung von Volkskrankheiten an. »Nachhaltig sind vor allem Investitionen in Prävention und Gesunderhaltung der Bevölkerung. Hier liegt ein erhebliches medizinisches und ökonomisches Potenzial«, betonte Reinhardt.

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