| Laura Rudolph |
| 18.02.2026 16:20 Uhr |
Schwerhörigkeit geht einer aktuellen Studie zufolge mit »Netzwerkstörungen« und Gewebeabbau in bestimmten Hirnregionen einher. / © Getty Images/aquaArts studio
Altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis) geht mit messbaren strukturellen und funktionellen Hirnveränderungen einher. Hinweise darauf liefert eine Studie von Forschenden der Tiangong University in China, deren Ergebnisse kürzlich im Fachjournal »eNeuro« veröffentlicht wurden. Besonders betroffen sind demnach Regionen, die Hören, Aufmerksamkeit, Gedächtnis steuern sowie die Zusammenführung verschiedener Sinneseindrücke, die sogenannte multisensorische Integration.
Ein Team um Professor Dr. Xiaojie Li untersuchte 55 Personen mit Altersschwerhörigkeit sowie 55 gesunde Kontrollpersonen vergleichbaren Alters. Über Hörtests ermittelten die Forschenden die Reinton-Hörschwelle der Probanden sowie die Schwelle der Sprachverständlichkeit, außerdem führten sie verschiedene Kognitionstests durch. Um Veränderungen in der Hirnstruktur zu bestimmen, untersuchten sie das Volumen der grauen Substanz per Magnetresonanztomografie (MRT). Mittels funktioneller MRT ermittelten sie außerdem, wie stark die Hirnwellenaktivität der Teilnehmer in Ruhephasen war.
Bei den schwerhörigen Menschen beobachteten die Forschenden im Vergleich zur Kontrollgruppe strukturelle und funktionelle Hirnveränderungen. Die graue Substanz war vermindert und die Ruhezustandssignale fielen schwächer aus – besonders in Hirnregionen, die für Hören, Gedächtnis, visuelle Erkennung und Aufmerksamkeit wichtig sind: Putamen, Gyrus fusiformis, Precuneus und medialer superiorer frontaler Gyrus. Die Kombination aus schlechterer Struktur und Funktion dieser Areale korrelierte außerdem mit schlechteren Ergebnissen in den kognitiven Tests.
Die Forschenden folgern daraus, dass Altersschwerhörigkeit mit einer Neuorganisation des Gehirns einhergeht, die sowohl durch Gewebe- als auch Funktionsverlust gekennzeichnet ist. Dadurch sind die betroffenen Regionen nicht mehr so gut in die üblichen Kommunikationsnetzwerke des Gehirns eingebunden. Die Bestimmung dieser Beziehung zwischen Struktur und Funktion könnte zukünftig als Frühmarker dienen, um kognitiven Abbau bei Hörverlust vorherzusagen, bevor etwa eine Demenz klinisch manifest wird.
Ob Hörgeräte das Fortschreiten dieser potenziellen negativen Gehirnveränderungen abschwächen oder verlangsamen können, lässt sich aus dieser Studie jedoch nicht ableiten und muss weiter beforscht werden.