| Daniela Hüttemann |
| 30.01.2026 15:00 Uhr |
Berberin wird massenweise als Nahrungsergänzungsmittel gegen Diabetes und Adipositas über das Internet verkauft. / © Getty Images/Adam Bartosik
Berberin wird in den sozialen Medien mitunter als »natürliches Wegovy« gehypt. Es handelt sich zwar um einen Naturstoff, der strukturell jedoch keinerlei Ähnlichkeit mit den Inkretinmimetika hat. Tatsächlich gab es zwar Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit bei Übergewicht – die Ergebnisse einer neuen Studie sprechen jedoch dagegen.
»Berberin wirkt in erster Linie über die Aktivierung der Adenosinmonophosphat-Kinase und extrazellulär regulierter Proteinkinasen. Es fördert die Glucose- und Fettsäureverwertung und hemmt die De-novo-Lipogenese«, schreibt das Studienteam in der Einleitung ihrer aktuellen Publikation im Fachjournal »JAMA Network Open«.
Es gebe Berichte, dass Berberin die Insulinsensitivität verbessert, die hepatische Lipidsynthese unterdrückt und Entzündungsreaktionen moduliert. Eine Metaanalyse habe sogar gezeigt, dass Berberin das Lipidprofil und die Insulinsensitivität bei Patienten mit MASLD, also einer stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung, verbesserte. Das Autorenteam um Lubi Lei von der Chinese Academy of Medical Sciences und dem Peking Union Medical College in Beijing zitiert zudem eine offene Studie und eine Doppelblindstudie, in denen Berberin das Leberfett bei Patienten mit MASLD reduzierte. »Diese Studien umfassten jedoch überwiegend Personen mit Diabetes oder gestörter Glucoseregulation, sodass unklar bleibt, ob die fettreduzierende Wirkung auch auf Personen mit normalen Glucosewerten übertragbar ist.«
Daher untersuchte das Team aus China nun an Patienten ohne Diabetes, aber mit krankhaftem Übergewicht (Adipositas) und Fettlebererkrankung, wie sich eine Behandlung mit Berberin auf das viszerale Fett rund um die Organe und Fett in der Leber auswirkt.
In der multizentrischen, doppelblinden, randomisierten Studie erhielten 169 Patientinnen und Patienten ein Gramm Berberin oral am Tag über sechs Monate, während 168 weitere Teilnehmende ein entsprechendes Placebo bekamen. Viszerales und Leberfett wurden per Computertomografie gemessen und auch die Glucose-, Lipid- und Entzündungswerte wurden bestimmt.
Obwohl beide Gruppen höchst adhärent waren mit 90 Prozent Therapietreue, fanden sich nach sechs Monaten keine Unterschiede bei den Fettpolstern. Damit wurde das primäre Studienziel verfehlt. Einzig messbarer positiver Effekt: Die Spiegel von LDL, Apolipoprotein-B und des hochsensitiven C-reaktiven Proteins sanken stärker als unter Placebo. Das Sicherheitsprofil beschreiben die Forschenden als »exzellent«.