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Direktabrechner
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Scanacs meldet Insolvenz an

Der Direktabrechner Scanacs ist insolvent. Wie das Unternehmen soeben mitteilte, hat Geschäftsführer Frank Böhme am 8. November beim Amtsgericht Dresden einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Pleite des Dienstleisters hatte sich angedeutet, nachdem die letzte Finanzierungsrunde Ende August geplatzt war.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 10.11.2023  09:15 Uhr

An dem Unternehmen hatte die CompuGroup Medical (CGM) 15 Prozent gehalten. Doch in der Gesellschafterrunde Ende August wurden weitere Investitionen abgesagt. Seitdem war Geschäftsführer Böhme händeringend auf der Suche nach neuen Investoren – erfolglos, wie der Insolvenzanatrag belegt: »Trotz intensiver Bemühungen sowie stark steigender Ergebnisse bei der Abrechnung von E-Rezepten in den letzten Monaten sah sich das Unternehmen zu diesem Schritt gezwungen«, so Böhme.

Der Geschäftsbetrieb von Scanacs werde nun durch die Geschäftsführung mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Heintze von der Restrukturierungskanzlei BBL fortgesetzt. Die Plattform werde mit den bestehenden Mitteln weitergeführt, teilte das Unternehmen mit. Die Abrechnung von E-Rezepten sei sichergestellt. Auch die Online-Zuzahlungsprüfung könne wie gewohnt vorgenommen werden.

Insolvenzverwalter sucht Investoren 

Die Beschäftigten wurden laut Geschäftsführung bereits über die aktuelle Situation informiert. Die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld abgesichert. »Es ist für uns alle sehr bedauerlich und enttäuschend, dass wir bislang keine abschließenden Gespräche führen konnten«, so Böhme. Der vorläufige Insolvenzverwalter will an die bisherigen Gespräche anknüpfen, um eine weitere Finanzierung zu ermöglichen.

In der Theorie funktioniert die Direktabrechnung so: E-Rezepte werden nach einer Software-gestützten Prüfung an die Krankenkasse übermittelt, die sofort bezahlt. Allerdings gibt es in der Praxis noch Herausforderungen. Für eine schnellere Zahlung seitens der Krankenkassen müssten zunächst die Lieferverträge angepasst werden. Zudem ist eigentlich nicht vorgesehen, dass Apotheken E-Rezepte exklusiv mit einem Partner abrechnen und Papierrezepte mit einem anderen Rechenzentrum.

Bei Scanacs gab es nach Informationen der PZ zudem Probleme bei der Abrechnung des Herstellerabschlags mit der Industrie.  Als dies bei CGM bekannt wurde, soll das Softwarehaus den Ausstieg beschlossen haben, berichten Insider. Da einem gerade eben fünfstelligen Monatsumsatz Kosten von rund 200.000 Euro entgegen gestanden haben sollen, haben die Investoren offenbar die Geduld verloren. Da half auch die Aussicht auf nach dem Jahreswechsel mutmaßlich steigende E-Rezept-Zahlen nicht weiter.

Scanacs war 2016 gegründet worden und wollte eine direkte Kommunikation zwischen Apotheke und Krankenkasse ermöglichen. Nach Unternehmensangabe waren zuletzt rund 30 Mitarbeiter bei Scanacs beschäftigt.

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E-Rezept

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