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Aktion »Wir müssen reden«
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Saarländer Apotheker fordern Soforthilfe

Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage vieler Apotheken haben der Saarländische Apothekerverein und die Apothekerkammer des Saarlandes die Aktion »Wir müssen reden« initiiert. Sie rufen ihre Mitglieder auf, Politikerinnen und Politiker in ihre Offizin einzuladen und ihnen ihre Probleme zu schildern. Ziel sei eine sofortige finanzielle Verbesserung für die Apotheken im Land.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 25.04.2024  16:30 Uhr

Die am 9. Juni bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen nehmen der Saarländische Apothekerverein (SAV) und die Apothekerkammer des Saarlandes zum Anlass, um sich gemeinsam an ihre Mitglieder zu wenden. In einem Schreiben appellieren sie an die Apothekerschaft im Saarland, sich an der Aktion »Wir müssen reden« zu beteiligen.

Das Skonto-Urteil des Bundesgerichtshofs verschärfe die ohnehin schlechte wirtschaftliche Situation vieler Apotheken weiter, heißt es in dem Schreiben von Kammer und Verband. Dazu kämen gestiegene Personal- und Betriebskosten, der erhöhte Apothekenabschlag, ein nicht erfolgter Inflationsausgleich sowie die im Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums angerissenen Pläne für eine Apothekenreform.

»Chronische Unterfinanzierung«

Die Apothekerschaft im Saarland habe ihre Forderungen bereits in Protestaktionen, Demonstrationen und tageweisen Schließungen der Apotheken zum Ausdruck gebracht. Doch die Erfolge seien mäßig geblieben. 50 Cent für den Mehraufwand bei Lieferengpässen, Erleichterungen bei Präqualifizierung sowie eine geplante Anhebung der Notdienstvergütung rüttelten nicht am eigentlichen Problem, »einer chronischen Unterfinanzierung«. Auch vom Eckpunktepapier des BMG zur Apothekenreform erwarten Kammer und Verband keine Verbesserung, da dieses lediglich eine Umverteilung von Honorargeldern vorsehe. Geplant sei, schrittweise den dreiprozentigen Aufschlag auf zwei Prozent abzusenken und im Gegenzug das dadurch freigesetzte Geld dem Fixhonorar zuzuschlagen will. Damit komme aber kein »frisches« Geld, das dringend gebraucht werde, beklagen Kammer und Verband. Und der Skonto-Deckel nehme den Apotheken zusätzlich »die Luft zum Atmen«.

Es sei schon viel Überzeugungsarbeit geleistet worden. »Aber wir müssen erneut antreten, erneut Druck machen. Wir brauchen sofortige finanzielle Verbesserungen für unsere Apotheken, wenn unser gutes System und seine Strukturen nicht endgültig an die Wand gefahren werden sollen«, betonen Kammer und Verband.

Durch persönliche Gespräche Druck aufbauen

Gebraucht werde politischer Rückhalt sowie politischer Druck auf das BMG. Angesichts der im Saarland am 9. Juni parallel stattfindenden Kommunal- und Europawahlen sei es notwendig, den Regierungsfraktionen deutlich zu machen, dass eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung einen starken finanziellen Rahmen brauche.

Vor diesem Hintergrund appellieren Kammer und Verband an die Apotherinnen und Apotheker im Saarland, die politischen Mandatsträger vor Ort – vom Bürgermeister und Landrat über Landtagsabgeordnete bis hin zu Bundestagsabgeordneten – in ihre Apotheke einzuladen und ihnen ihre Sorgen und Probleme zu schildern. »Berichten Sie von der Lebenswirklichkeit in Ihrer Apotheke und zeigen Sie deutlich auf, dass es so in Apotheken nicht weitergehen kann. Gute Arbeit braucht gute Verdienstmöglichkeiten und Löhne und keine Schein-Apotheken à la Karl Lauterbach«.

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