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Apothekerkammer des Saarlandes
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Saar: »Es reicht!«

Der Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Manfred Saar, fühlt sich von der Politik verschaukelt. Bei der Vertreterversammlung der Kammer in Saarbrücken am gestrigen Abend echauffierte er sich, dass das von der Koalition getätigte Versprechen, das Apothekenhonorar zeitnah zu erhöhen, nun erst einmal nicht umgesetzt wird.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 26.11.2025  14:30 Uhr

Saar erinnerte daran, dass die Regierung in Kenntnis der gesamtpolitischen Umstände sich im Apothekenbereich auf den Weg gemacht hatte und die dringend notwendige Honoraranpassung »konkret, deutlich, unübersehbar und vor allem bedingungslos« in den Koalitionsvertrag geschrieben hatte. Er kritisierte, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beim Deutschen Apothekertag im September in Düsseldorf dann angekündigt hatte, die versprochene Honorarerhöhung zurückzustellen und sie auf »Wiedervorlage« zu legen, wenn die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gesichert sei. »Das ist eine politische und auch moralische Bankrotterklärung sondergleichen«, sagte der Kammerpräsident. »Es reicht, die Politik verspielt hier das letzte Vertrauen«, fügte Saar hinzu.

Die Erhöhung des Apothekenhonorars bedeute Mehrausgaben in Höhe von etwa 840 Millionen Euro für die GKV. Bei fast 350 Milliarden Euro Gesamtausgaben sei diese Summe sicherlich eher vernachlässigbar. Saar: »Weil wir finanziell am Ende sind, weil Tausende von Kollegen bereits aufgeben mussten, weil auch in den kommenden Jahren nochmals Tausende von Kollegen ihre Apotheken werden schließen müssen, wenn wir keine finanzielle Entlastung erhalten, brauchen wir die Honorarerhöhung.« Was bedeutet Wiedervorlage nun eigentlich? Saar geht davon aus, dass das im Klartext heiße, dass eine Erhöhung des Honorars frühestens im Jahr 2027 kommen wird, wenn überhaupt.

Im Folgenden warf Saar einen kritischen Blick auf die vorgelegten Ideen für eine Apothekenreform. Hier werde das Lauterbachsche Gedankengut aus der Mottenkiste geholt, wertete der Kammerpräsident. Ob Zweigapotheken ohne Rezeptur und ohne Verpflichtung zum Nacht- und Notdienst, PTA-Vertretung des Apothekers oder willkürliche Öffnungszeiten: Diese Ideen bedeuten Saar zufolge einen Dammbruch für die Existenz der inhabergeführten Apotheke und öffnen Drittanbietern Tür und Tor. »Rossmann, dm und Kaufland stehen bereits Gewehr bei Fuß.«

Apothekenzahlen weiter im Sinkflug

Saar informierte, dass die Kammer nach dem Zünden der »Warken´schen Bombe« im September umgehend mit den maßgeblichen Abgeordneten im Saarland das Gespräch gesucht habe, etwa dem Gesundheits- und dem Wirtschaftsminister des Bundeslandes. »Dort sind wir auf einen breiten Konsens getroffen, was unser berechtigtes Anliegen angeht.«

Tatsächlich wurden und werden die Forderungen der Apothekerschaft in Richtung Berlin transportiert, weshalb Saar nun »vorsichtig optimistisch« sei. Er informierte ferner, dass auch in anderen Bundesländern Kammern und Verbände massiv interveniert hätten und es nun einige aktive Fürsprecher auf Bundesebene gebe, um die Erhöhung des Fixums zu erreichen. Saar betonte abschließend nochmals, dass dies unumgänglich sei, wenn man verhindern wolle, dass viele weitere Betriebe schließen müssen. Die Leidtragenden am Ende seien sonst die Patienten, die die Apotheke vor Ort brauchen.

Kammergeschäftsführer Carsten Wohlfeil betonte im Anschluss, dass eine Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro aus seiner Sicht nicht ausreichen würde. »Das würde lediglich die Personalkostensteigerungen der vergangenen Jahre kompensieren.« Mit großer Sorge blickte Wohlfeil voraus auf das Jahr 2027. Dann soll der Mindestlohn abermals steigen. Wohlfeil befürchtet, dass dann – sollte es bis dahin keine ausreichende Erhöhung des Fixums geben – viele Apotheken in die Knie gezwungen werden. Er erinnerte daran, dass die Zahl an Betrieben ohnehin seit geraumer Zeit rückläufig ist. Blickt man auf die Apothekendichte in der EU, dann war Deutschland vor rund 20 Jahren noch im Mittelfeld. Heute ist die Apothekendichte hierzulande bereits unter dem EU-Durchschnitt und das Land rückt immer weiter dem unteren Ende entgegen.

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