| Jennifer Evans |
| 20.01.2026 07:00 Uhr |
Nicht nur Privileg: Ruhm kann auch gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Pop-Star Michael Jackson etwa starb 2009 mit 50 Jahren. / © imago images/CTK Photo
Wer als Musikerin oder Musiker auf der Erfolgswelle schwimmt, setzt sich offenbar solch starken chronischen Belastungen aus, die ein paar Lebensjahre kosten. Forschende um die Psychologin Dr. Johanna Hepp von der Universität Witten/Herdecke haben herausgefunden, dass berühmte Sängerinnen und Sänger im Schnitt fast fünf Jahre früher sterben als weniger bekannte Kolleginnen und Kollegen.
Das Autorenteam hatte sich gefragt, ob es am Ruhm selbst liegt oder an dem unregelmäßigen Lebensstil. Ein Job in der Musikbranche ist schließlich nicht ohne – Touren, lange Nächte, viel Erfolgsdruck. Um das herauszufinden, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 324 prominente Sängerinnen und Sänger mit ebenso vielen weniger bekannten Musikerinnen und Musikern verglichen.
Die Paare waren sorgfältig gematcht: gleiches Alter, Geschlecht und Herkunft. Ebenso gehörten sie dem gleichen Genre an und waren als Solo-Act oder Band unterwegs – alles identisch, bis auf den einen entscheidenden Faktor: Prominenz. Die Ergebnisse sind im Fachjournal »Epidemiology and Community Health« erschienen.
Es zeigte sich: Die Stars hatten ein 33 Prozent höheres Sterberisiko. Und ihre Lebensspanne war im Schnitt 4,6 Jahre kürzer im Vergleich zu den weniger berühmten Gegenpolen. Konkret erreichten die Prominenten rund 75 Lebensjahre, während die weniger bekannten Personen durchschnittlich knapp 80 Jahre alt wurden.
Unabhängig vom Fame-Effekt hatten insbesondere Solokünstlerinnen und Solokünstler ein etwas erhöhtes Sterberisiko. Das könnte möglicherweise daran liegen, dass ihnen die soziale Unterstützung einer Band fehlt, mutmaßen die Forschenden.
Generell plädieren sie dafür, Menschen im Rampenlicht gezielt zu unterstützen. Aufmerksamkeit, hohe Erwartungen, Leistungsdruck und öffentliche Beobachtung können ihrer Beobachtung nach psychische Belastungen verstärken und »schädliche Bewältigungsstrategien« anfachen. Wenn Ruhm tatsächlich ein Gesundheitsrisiko ist, braucht es künftig mehr als Bodyguards und Tour-Manager.