»Temperaturgeführte Logistik kein nebensächlicher Aspekt, sondern ein entscheidender Qualitäts- und Sicherheitsfaktor in der Arzneimittelversorgung«, darauf weist Bremens Kammerpräsident Klaus Scholz hin. / © PZ/Daniela Hüttemann
Dass lokale Apotheken strengen Vorgaben bei Lagerung und Transport unterliegen, Versender aber in dieser Hinsicht de facto nicht kontrolliert werden, soll sich ändern. An den viel geforderten »gleich langen Spießen« feilt die Bundesregierung und will die Vorgaben für Versender verschärfen. Auch die Länder drehen beim Apothekenversorgung-Weiterenwicklungsgesetz (ApoVWG) nach und wollen die Versender stärker in die Pflicht nehmen.
Wie gefährlich es für die Patientinnen und Patienten sein kann, wenn Arzneimittel durch falsches Lagern und Transportieren beeinträchtigt werden, skizziert Bremens Kammerpräsident Klaus Scholz in einem aktuellen Statement. Scholz warnt darin vor häufig unterschätzten Risiken beim temperaturgeführten Versand.
Die pauschale Darstellung von Versendern und anderen Interessengruppen, dass es beim Versand kühlpflichtiger Arzneimittel aufgrund unzureichender Temperaturführung bislang keine relevanten Probleme gegeben habe, greife zu kurz. Äußerlich bleibe bei vielen Arzneimitteln selbst nach Temperaturabweichungen zunächst alles unverändert, so Scholz.
Ob und wie die Wirksamkeit beeinträchtigt sei, lasse sich nicht unmittelbar erkennen. Dies sei beispielsweise auch bei empfindlichen Lebensmitteln der Fall, vergleicht Scholz, etwa bei Produkten mit Milch oder frischem Ei, bei denen bloßes Betrachten nichts über ihre Genießbarkeit aussage.
Für die Sicherheit der Arzneimittel gebe es die Stabilitätstests der pharmazeutischen Industrie. Die Untersuchungen bildeten die Grundlage für Verfalldaten und Lagerungsvorgaben.
Würden beispielsweise Augentropfen ohne ausreichende Kühlung versendet, sei eine mögliche
Wirkstoffminderung optisch nicht feststellbar, führt Scholz aus. Diese Präparate würden in der Regel über einen längeren Zeitraum angewendet, wodurch eine verminderte Wirkung schwerwiegende Folgen haben könnte. Etwa bestehe beim Glaukom das Risiko, dass der Sehnerv durch unzureichend gesenkten Augeninnendruck geschädigt wird – im schlimmsten Fall mit früher eintretender Erblindung.
Weitere Risiken listet Scholz auf:
Diese Gefahren seien angesichts von durchschnittlich einem bis fünf Tagen, die eine Zustellung per Versand brauche, nicht zu unterschätzen. »Eine lückenlose Kühlkette ist essenziell, um Wirksamkeit und Patientensicherheit zu gewährleisten«, betont Scholz. Die temperaturgeführte Logistik sei »kein nebensächlicher Aspekt, sondern ein entscheidender Qualitäts- und Sicherheitsfaktor in der Arzneimittelversorgung«.