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Gedächtnisforschung
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Richtig atmen hilft beim Erinnern

Wie stark steuert die Atmung unsere Gedächtnisprozesse? Eine Studie hat gezeigt, wie das Ein- und Ausatmen neuronale Prozesse beim Abrufen von Erinnerungen beeinflusst und wie eng Körper und Gehirn zusammenspielen.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 16.01.2026  07:00 Uhr

Unsere Atmung dient nicht nur der Sauerstoffaufnahme, sondern beeinflusst auch Reizverarbeitung sowie Gedächtnisprozesse. Forschende der LMU München um Dr. Thomas Schreiner, Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe am Department Psychologie, haben zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der University of Oxford untersucht, wie sich Ein- und Ausatmen auf das Erinnern beziehungsweise Abrufen von Informationen auswirken.

Dazu lernte die kleine Gruppe von 18 Probandinnen und Probanden, 120 Bilder mit bestimmten Wörtern zu verknüpfen. Die Wissenschaftlerinnen und  Wissenschaftler fragten dann diese Verknüpfungen sofort und erneut nach einem zweistündigen Mittagsschlaf ab. Währenddessen zeichneten sie Atmung und Hirnaktivität auf.

Es zeigte sich, dass sich die Studienteilnehmenden besonders gut an Begriffe und Bilder erinnern konnten, wenn sie die Hinweiswörter während oder kurz vor dem Einatmen erhielten. Der eigentliche Abruf der Erinnerung finde hingegen überwiegend während der Ausatmung statt, teilte Schreiner im Zuge der Veröffentlichung der Ergebnisse im Fachjournal »The Journal of Neuroscience« mit.

Taktgeber für Gedächtnisprozesse

Das Einatmen ist demnach ein günstiger Moment für die Reizaufnahme, das Ausatmen für die Rekonstruktion der Erinnerung. Diese funktionale Zweiteilung verdeutlicht laut Schreiner, dass der Atemrhythmus das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Gedächtnisprozessen prägt.

Im EEG ließ sich ablesen, welche neuronalen Muster dem Ganzen zugrunde liegen. Und diese waren charakteristisch für erfolgreiche Erinnerungsprozesse. Zum einen nehmen die Alpha- und Beta-Aktivität der Gehirnwellen ab, was der Studie zufolge auf eine Fokussierung des Gehirns auf den Abruf hindeutet. Zum anderen treten Gedächtnisreaktivierungen auf, bei denen neuronale Muster wieder auftauchen, die bereits beim Lernen aktiv waren. 

Die Forschenden heben hervor, dass ihre Ergebnisse auf natürliche Atemrhythmen beschränkt sind. Um gezielte Strategien für den Alltag abzuleiten, seien Experimente mit kontrollierter Atemmanipulation notwendig, heißt es. Auch länger zurückliegende Erinnerungen sind demnach bislang nicht berücksichtigt. Dennoch habe sich gezeigt, dass die Atmung als natürlicher Taktgeber für Gedächtnisprozesse fungiere.

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