Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Bundesweit agierende Bande
-
Rezeptfälschung im großen Stil

Der Polizei ist eine bundesweit tätige Gruppe von Rezeptfälschern ins Netz gegangen. Im Fokus der Fälschungen standen unter anderem teure Krebsmedikamente, die die Bande ins Ausland verkaufte. Nun sitzen mehrere Mitglieder im Gefängnis. Offenbar in zentraler Rolle: ein 15-Jähriger.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 05.02.2026  16:30 Uhr

Die Polizei hat eine bundesweit agierende Bande festgenommen, die im großen Stil Rezepte gefälscht und die teuren Medikamente teils ins Ausland verkauft haben soll. Der Warenwert aller sichergestellten Arzneimittel und noch nicht eingelöster Rezepte liegt nach derzeitigem Stand im sechsstelligen Bereich, wie das Polizeipräsidium München mitteilte. Mehrere Beteiligte sitzen inzwischen in Untersuchungshaft; ein 15-Jähriger wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen. Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft München vor zunehmenden Rezeptbetrug gewarnt und Apotheken zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

Festnahme in München bringt Ermittler auf die Spur

Ins Rollen kamen die Ermittlungen im November, als in einer Apotheke in München ein gefälschtes Rezept auffiel. Die herbeigerufene Streife konnte einen 25-Jährigen festnehmen, dem laut Polizei inzwischen weitere Einlösungen nachgewiesen werden konnten. Trotz seiner Festnahme gingen nach wie vor bei Apotheken bundesweit Anrufe zur Vorbestellung besonders teurer Medikamente ein – getätigt aus Berlin.

Die Beamten beschlagnahmten daraufhin bestimmte Postsendungen, die aus dem ganzen Bundesgebiet nach Berlin unterwegs waren. In ihnen fanden sie verschreibungspflichtige teure Medikamente, die aus der Einlösung falscher Rezepte in Baden-Württemberg und Niedersachsen stammten. In der Folge konnte einer der Absender, ein 35-Jähriger mit Wohnsitz in Hessen, festgenommen werden. Er kam in Untersuchungshaft.

15-Jähriger spielt zentrale Rolle

Die Ermittler identifizierten nach eigenen Angaben auch den bundesweit tätigen Anrufer: einen 15-jährigen Schüler aus Berlin. In der Hauptstadt wurde zudem ein 33-Jähriger festgenommen, der in einer Filiale ein Paket abholen wollte, das ein in München festgenommener 25-Jähriger aufgegeben hatte. In den Räumen des 33-Jährigen fanden sich weitere Krebsmedikamente und gefälschte Rezepte; er kam in U-Haft. Zudem vollzog eine Berliner Hundertschaft 13 Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts München und beschlagnahmte weitere Arzneimittel und Diebesgut wie Mobiltelefone. In Berlin wurde auch noch ein 32-Jähriger verhaftet, der in Hamburg und weiteren Städten in Norddeutschland Medikamente bestellt und abgeholt haben soll. Beim Durchsuchen seiner Wohnung wurde ein 43-Jähriger in flagranti beim Drucken von gefälschten Rezepten erwischt. Er wurde ebenso in ein bayerisches Gefängnis überstellt wie der 32-Jährige sowie ein 28-Jähriger, der mit diesem auf Beschaffungstour gewesen sein soll.

Jüngst hatte auch die AOK Nordost vor einem sprunghaften Anstieg bei Rezeptfälschungen gewarnt.

Mehr von Avoxa