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Apothekensterben hält an
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Rekordtief in fast 50 Jahren

Die Apothekenzahl ist im vergangenen Jahr auf 16.601 Betriebsstätten gesunken und hat damit ein neues Rekordtief erreicht. ABDA-Präsident Thomas Preis sieht die Ursache der Entwicklung in der ausbleibenden wirtschaftlichen Stärkung der Betriebe. Dass die Honorarfrage in den aktuellen Reformplänen fehle, sei »vollkommen unverständlich«.
AutorPZ
Datum 13.01.2026  11:48 Uhr

Eine alarmierende Zahl muss die Standesvertretung heute verkünden: Zum Jahresende 2025 gab es der ABDA zufolge bundesweit nur noch 16.601 Apotheken. Das seien 440 Apotheken oder 2,6 Prozent weniger als Ende 2024 (17.041), heißt es in einer Mitteilung. Den 502 Apothekenschließungen standen demnach nur 62 Neueröffnungen im Laufe des Jahres 2025 gegenüber. 

Mit dem neuerlichen Tiefpunkt sei inzwischen ist der niedrigste Stand an Apotheken seit fast 50 Jahren erreicht – im Jahr 1977 gab es demnach in Ost- und Westdeutschland zusammen 16.374 Apotheken. Bis auf eine – minimale – Erhöhung des Fixums im Jahr 2013 müssten die Apotheken mit einem »Stillstand« beim Honorar kämpfen – und dieser habe zur Folge, dass seit 2013 jede fünfte Apotheke schließen musste (minus 19,7 Prozent). Damals habe es 20.662 Apotheken in Deutschland gegeben – 4.061 mehr als heute.

Steigende Kosten, stagnierendes Honorar

Für ABDA-Präsident Thomas Preis liegt die Ursache für den anhaltenden Rückgang auf der Hand: »Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Seit der letzten Erhöhung des Festhonorars im Jahr 2013 sind die Kosten in den Apotheken um 65 Prozent gestiegen. Dass genau in diesem Zeitraum das Apothekensterben immer dramatischere Dimensionen erreicht, ist daher nicht verwunderlich.« Immer mehr Betriebe könnten nicht wirtschaftlich arbeiten. Mit Blick auf die Ankündigung im Koalitionsvertrag, das Fixum auf 9,50 Euro anzuheben, kritisierte Preis: »Vor dem Hintergrund weiter anhaltender Apothekenschließungen ist es vollkommen unverständlich, dass die Bundesregierung die Erhöhung des Fixhonorars im laufenden Vorhaben der Apothekenreform gänzlich ausklammert.«

»Die Zahl der Apotheken sinkt immer weiter. Das heißt, dass immer mehr Menschen immer weitere Wege bis zur nächsten Apotheke zurücklegen müssen«, erläutert Preis. »Gerade bei außerordentlichen Wetterlagen wie in diesen Tagen kann das für ältere oder immobile Patientinnen und Patienten sehr beschwerlich sein.« In solchen Situationen seien die Botendienste der Apotheken wichtig für die Versorgung, auch wenn sie das Dienstleistungssortiment der Apotheken nur teilweise ersetzen könnten.

Das anhaltende Apothekensterben schwäche die Resilienz der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung, warnte der ABDA-Präsident. »Die Versorgung durch ausreichend viele Apotheken gehört zur Daseinsvorsorge der Menschen in unserem Land.« 

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