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Tabakentwöhnung
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Raucher aktiv ansprechen

Demnächst kann eine Kurzintervention zur Tabakentwöhnung in der Apotheke als erstattungsfähige Dienstleistung angeboten werden. Warum das wichtig ist und wie es ablaufen könnte.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 05.10.2026  09:00 Uhr

Schon immer können sich Raucher Unterstützung in der Apotheke suchen, wenn sie aufhören möchten. Effektiver wäre jedoch, wenn das Apothekenteam Raucher aktiv anspricht, eine potenzielle Bereitschaft zum Rauchstopp auslotet und konkrete Hilfe anbietet, meint Ina Richling, Apothekerin aus Dortmund. So etwa könnte auch die neue pharmazeutische Dienstleistung (pDL) namens »Beratung in Form einer Kurzintervention zur Prävention tabakassoziierter Erkrankungen« aussehen.

Schaut man sich entsprechende Beratungsleistungen in anderen Ländern sowie in einem Leitfaden des Weltapothekerverbands an, wird es sich erst einmal um ein relativ kurzes Motivationsgespräch handeln. Die genauen Details der Leistung wie Umfang, Anspruchsberechtigung und Honorierung handeln derzeit der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband aus. Dann wird die pDL erstattungsfähig für GKV-Versicherte. Damit ist frühestens Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.

Der Bedarf ist riesig

Aber warum so lange warten? »Fast 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland rauchen, jährlich werden bundesweit sechs Millionen Menschen aufgrund von tabakassoziierten Erkrankungen ärztlich behandelt, 125.000 Menschen sterben daran«, schilderte Richling beim gemeinsamen Fortbildungskongress der Apothekerkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe Ende September auf Langeoog die aktuelle Lage. »Schon eine Zigarette am Tag schadet, und beinahe jedes Organ ist betroffen.«

Das Aufhören fällt den meisten jedoch sehr schwer. Die Rückfallrate liege bei 80 Prozent in den ersten Wochen. Deshalb braucht es Unterstützung (was auch die Leitlinie zur Tabakentwöhnung vorsieht) – und einen Plan. Anlass für ein Rauchstopp-Gespräch und vice versa können auch andere pDL wie die Blutdruckmessung, die Polymedikationsanalyse, die Inhalativa-Schulung oder in Zukunft der Herz-Kreislauf-Präventionscheck sein. 

Laut Richling zeigen Studien, dass ein konkretes Stopp-Datum mit komplettem Aufhören besser funktioniert als eine langsame Reduktion. Der sogenannte Fagerström-Test hilft, den Grad der Abhängigkeit zu bestimmen. Das könnten auch Apotheken schnell erfassen. Dann gilt: »Wenig Beratung hilft schon viel!«, so die Apothekerin. Eine Kurzintervention könnte nach dem 5A-Modell erfolgen: Ask, Advise, Assess, Assist, Arrange.

Fünf Fragen reichen

Im 5A-Modell wird zunächst der Rauchstatus abgefragt (Ask). Es folgt das Anraten des Rauchverzichts (Advice). Im dritten Schritt stellt man fest, wie groß die Bereitschaft des Patienten ist (Assess). Im vierten Schritt (Assist) bietet man konkrete Hilfe an. Hier sei auch eine ergänzende individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) denkbar, findet Richling, zum Beispiel eine konkrete Beratung zu den verschiedenen Nikotinersatzprodukten oder auch evidenzbasierte Verhaltenstipps. »Unsere Beratungsleistung ist schließlich etwas wert.« Schritt 5 (Arrange) betrifft das Ausmachen eines Follow-up-Termins.

»Nutzen Sie keine Sätze, die zur Konfrontation führen, sondern zeigen Sie Empathie und Verständnis und lassen Sie den Patienten selbst entscheiden«, betonte die Referentin. Manchmal helfen wertneutrale Fragen wie »Was spricht für Sie und was gegen das Rauchen?«. Die stärksten Motivatoren sind individuell.

Strategien entwickeln, Umfeld einbeziehen

Richling rät Aufhörwilligen, den Lebenspartner und das Umfeld einzubeziehen und um Unterstützung zu bitten. Vor dem Stopp hilft eine Strichliste, um sich die konsumierte Menge vor Augen zu führen und womöglich schon vor dem Tag X zu reduzieren. Wer dann noch ausrechnet, wie viel Geld er spart, hat einen zusätzlichen Anreiz.

Für typische Situationen, in denen man zur Zigarette greifen will, sollte man sich eine Alternative überlegen oder sie, wenn möglich, meiden, zum Beispiel die Pause nicht mit den rauchenden Kollegen verbringen. Vielleicht fürchtet der Aufhörwillige auch eine Gewichtszunahme. Dann können Ernährungstipps hilfreich sein.

Bei starker Abhängigkeit kann die Apotheke darauf hinweisen, dass mittlerweile Nikotinersatzprodukte und Vareniclin zur Entwöhnung erstattungsfähig sind. Sie müssen dafür allerdings ärztlich verordnet werden. Gleiches gilt für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) wie »Nichtraucherhelden« und »Smoke Free App«.

»Fangen Sie am besten jetzt schon an. Das schärft das Profil der öffentlichen Apotheke als Teil des Präventionsangebots, und das besonders niederschwellig. Der Bedarf ist hoch«, motivierte Richling die rund 250 Kongressteilnehmenden.

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