| Jennifer Evans |
| 15.01.2026 08:00 Uhr |
In Afrika, wo psychische Gesundheitsversorgung oft kaum erreichbar ist, ließen sich viele Friseurinnen als »Mental Health Ambassadors« schulen. / © Adobe Stock/Confidence
In vielen Teilen Afrikas sind psychische Erkrankungen ein Tabu und Therapieplätze fehlen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation – WHO leben mehr als 116 Millionen Menschen auf dem Kontinent mit einer psychischen Erkrankung. Aber auf 100.000 Einwohner kommen im Schnitt nur 1,4 psychiatrische Fachkräfte. Für viele bleibt professionelle Hilfe außer Reichweite. In Städten wie Abidjan (Elfenbeinküste) entstehen deshalb seit einiger Zeit andere Gesprächsräume – etwa in Friseursalons. Darüber berichtet das Schweizer Nachrichtenprotal »Watson«.
Im Bezirk Yopougon, dem größten Stadtteil der ivorischen Wirtschaftsmetropole, arbeitet die Friseurin Adjoua Catherine Tano. Zwischen Musik und Straßenlärm schneidet sie Haare und hört zu. Ihre Kundinnen berichten ihr von Sorgen, Konflikten und Gewalterfahrungen. Tano steht dem »Watson«-Bericht zufolge bereits seit mehr als 20 Jahren im Salon, das Zuhören gehört seit Beginn zu ihrem Alltag.
An diesem Punkt setzt das Projekt »Heal by Hair« der Bluemind Foundation an. Die Organisation startete damit 2021 in Westafrika. Die Idee: Friseurinnen als Vertrauenspersonen mit Wissen zur psychischen Gesundheit auszustatten. In Kamerun, der Elfenbeinküste und Togo nahmen demnach schon mehr als 400 Friseurinnen an den Schulungen teil.
Die Ausbildung dauert drei Tage und behandelt Themen wie aktives Zuhören, Anzeichen von Depressionen, Angstzuständen und Traumata erkennen sowie den Umgang mit Gewalterfahrungen. Danach folgt eine sechsmonatige Begleitung mit Austauschgruppen und Supervision. Bei schweren Fällen verweisen die Friseurinnen an Fachstellen oder Behörden. Bis 2035 will die Organisation zwei Millionen Frauen in 20 afrikanischen Städten erreichen und mehr als 1000 Friseurinnen zu »Mental Health Ambassadors« ausbilden.