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Kein gestaffeltes Honorar
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Preis glaubt an 9,50 Euro – sofort

Die Finanzkommission Gesundheit hat ihre Sparvorschläge für die Krankenkassen vorgelegt. ABDA-Präsident Thomas Preis ordnete im PZ-Interview die für die Apotheken relevanten Themen ein.
AutorAlexander Müller
Datum 30.03.2026  16:19 Uhr

PZ: Die Finanzkommission Gesundheit schlägt als Sparmaßnahme vor, die Erhöhung des Fixums zu strecken. Was wird Ministerin Warken daraus machen?

Preis: Die Finanzkommission hat Vorschläge gemacht und es ist richtig, dass die Regierung sparen und die Finanzsituation der Krankenkassen verbessern will. Wir haben aber keinerlei Anhaltspunkte, dass die Ministerin von den Beschlüssen der Koalition bezüglich des Fixums abweichen will. Im Gegenteil: Ministerin Warken hat mehrfach betont, dass sie das Thema jetzt zeitnah per Verordnung angehen will, parallel zur Beratung des ApoVWG.

PZ: Ließe sich bei einer schrittweisen Honorarerhöhung überhaupt die Verhandlungslösung umsetzen?

Preis: Nein, ein gestaffeltes Honorar würde eine schnelle Umsetzung der Verhandlungslösung nicht ermöglichen. Genau das ist aber das Ziel. Diese Verordnung ist bereits auf dem Weg und soll ebenfalls gleichzeitig mit dem ApoVWG in Kraft treten.

PZ: Sie rechnen also damit, dass die 9,50 Euro sofort und „am Stück“ kommen?

Preis: Davon gehe ich aus.

PZ: Die Finanzkommission will den Topf für pharmazeutische Dienstleistungen dem Gesundheitsfonds zuführen – rund 600 Millionen Euro gingen den Apotheken damit verloren.

Preis: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat erst vor einer Woche in seinen Antworten auf die Prüfbitten einen entsprechenden Vorschlag zu Recht abgelehnt. Denn die Politik will pDL für die Bürgerinnen und Bürger aufrechterhalten. Wir haben jetzt schon das Problem, dass nach den Reformplänen Neueinnahmen für die Erbringung der Notdienste umgeleitet werden sollen, sodass man sich zukünftig Gedanken machen muss, wie pDL in Zukunft finanziert werden sollen.

PZ: Aber unbestreitbar liegen nicht abgerufene Mittel im Topf.

Preis: Diese dürfen aber nicht zweckentfremdet werden. Wir brauchen das genaue Gegenteil des Vorschlags der Finanzkommission. Denn es werden mehr pDL erbracht, weitere Leistungen sollen mit dem ApoVWG dazukommen, es wird also eine größere Finanzreserve gebraucht. Und der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat die aus unserer Sicht zu niedrigen Honorare für die bisherigen pDL gekündigt, was ebenfalls auf mehr Finanzbedarf hinausläuft.

PZ: Was halten Sie von der Idee höherer Zuzahlungen für Arzneimittel?

Preis: Die höheren Zuzahlungen werden die Apotheken belasten, weil die Diskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern in der Offizin geführt werden. Außerdem haben Apotheken damit höhere Inkassokosten und ein erhöhtes Inkassorisiko.

PZ: Homöopathie als Satzungsleistung der Kassen zu streichen – trifft das Ihre Zustimmung?

Preis: Das hätte allenfalls homöopathische Effekte auf die Finanzen und könnte zu neuen und dann wahrscheinlich höheren Kosten bei den dann noch erstattungsfähigen Arzneimitteln führen.

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