| Carolin Lang |
| 21.10.2026 11:45 Uhr |
Generell erkranken Frauen häufiger an Depressionen als Männer. Die Schwangerschaft selbst gilt wegen der hormonellen Umstellung als Risikofaktor. / © Getty Images/damircudic
Etwa zwölf von 100 Frauen leiden während der Schwangerschaft unter Depressionen, so schätzt das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. Bei den Betroffenen sind demnach das Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt leicht erhöht sowie Blutungen und operative Eingriffe bei der Geburt ein wenig häufiger. Studien deuten außerdem darauf hin, dass die Kinder anfälliger für emotionale, verhaltensbezogene und psychische Probleme sein könnten.
In »Nature Communications« präsentiert eine Arbeitsgruppe um Dr. Catherine Demers, Assistenzprofessorin für Psychiatrie an der University of Colorado Anschutz, USA, nun neue Hinweise dafür, dass die Behandlung von Depressionen während der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Säuglings und seine frühen emotionalen Funktionen beeinflussen kann.
In die aktuelle Studie waren 109 Kinder eingeschlossen, deren Mütter zuvor an einer randomisierten Studie teilgenommen hatten. Schwangere mit ausgeprägten depressiven Symptomen hatten dabei entweder acht wöchentliche interpersonelle Psychotherapie-Sitzungen à 50 Minuten oder eine erweiterte Standardversorgung erhalten. Die Intervention erwies sich als wirksam: Sie reduzierte die Symptome einer pränatalen Depression signifikant.
Die Follow-Up-Studie sollte nun klären, ob sich der Behandlungserfolg auch auf die Hirnentwicklung der Kinder auswirkt. Dazu bestimmte die Arbeitsgruppe mittels struktureller Magnetresonanztomografie (sMRT) das Volumen von Hippocampus und Amygdala bei den Säuglingen im Durchschnittsalter von etwa sechs Wochen. Beide Hirnregionen gehören zum limbischen System, einer Funktionseinheit des Gehirns, die unter anderem der Verarbeitung von Emotionen dient.
Wie die Gruppe berichtet, war das Volumen des rechten Hippocampus bei Säuglingen, deren Mütter während der Schwangerschaft psychotherapeutisch behandelt wurden, geringer als bei den Säuglingen, deren Mütter keine solche Therapie erhalten hatten. Dies hing mit einer geringeren negativen Emotionalität im Alter von sechs Monaten zusammen. Die Babys reagierten also tendenziell weniger auf belastende Reize. Beim linken Hippocampus und der Amygdala waren keine Unterschiede zu verzeichnen.