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Große Parteien gegen den Rabatt für die GKV

Datum 22.09.1997  00:00 Uhr

- Politik

Govi-Verlag

Große Parteien gegen den Rabatt für die GKV

Hat die soziale Krankenversorgung eine Zukunft? Dieser Frage ging der SPD-Bundestagsabgeordnete Horst Schmidbauer bei einem Treffen mit 30 Apothekern nach, die an der fünften Apotheker-Informationsreise des Gehe Pharma Handels nach Bonn am 10. und 11. September 1997 teilnahmen. Schmidbauers Versprechen: Mit der SPD sei ein weiterer Abbau des Solidargedankens nicht machbar.

Otto von Bismarck habe mit der Einführung des sozialen Systems den sozialen Frieden erhalten wollen, und dieser habe über 100 Jahre gehalten. Warum das System gerade jetzt in Frage gestellt werde, sei unerfindlich. Das aufgelaufene Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenversicherung und der Rückgang der Einnahmen seien das eigentliche Problem, denn gemessen am Bruttosozialprodukt blieben die Ausgaben seit 20 Jahren in etwa gleich.

"Wir reden unser eigenes System kaputt, um das uns andere beneiden", sagte Schmidbauer unter Hinweis auf die USA, wo die Versicherten hohe Beiträge einzahlen und wenig Leistung erhalten. Dort bestimme die Versicherung den wirtschaftlichen Rahmen. Mit der erhöhten Patienten-Zuzahlung von insgesamt 4,65 Milliarden (Arzneimittel: 3,5 Milliarden) DM zahlen nun die Kranken das fehlende Geld in die Versicherung ein. Hierbei handele es sich nicht mehr um ein Steuerungs-, sondern um ein Finanzierungsinstrument. Eine Vier-Klassen-Gesellschaft bestehe bereits beim Zahnersatz durch Abbau der Vollversorgung.

Der Apotheker sei das Bindeglied zwischen Arzt, Patient und Pharmaindustrie. Insofern sei der Gedanke an eine Drehung der Arzneimittelpreisverordnung nicht ungeschickt. Es müsse zu einer Flexibilisierung der Instrumente und zu einer Finanzierungssicherung kommen. Deshalb sei die SPD mittelfristig für eine Erhöhung beziehungsweise Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze für die Pflichtversicherung und langfristig für eine grundlegende Neuordnung der Finanzierungsgrundlagen in der Sozialversicherung.

An den widersprüchlichen Aussagen der Bundesregierung und des zuständigen EU-Kommissars Dr. Martin Bangemann zum Versandhandel übte Schmidbauer harsche Kritik. Er erinnerte an den Antrag der Firma Ratiopharm auf vorsorglichen Namensschutz für noch nicht existierende Geschäftsbetriebe, die eigentlich nur jemandem einfallen können, der Apothekenketten im Sinn hat. Zu fragen sei, inwieweit die Gesetzeslage - so auch mit dem jetzt vorgesehenen Versandhandelsverbot im Entwurf zur 8. AMG-Novelle - Bestand haben wird.

Nach Schmidbauers Meinung wird es wesentlich an der Apothekerschaft selbst liegen, welche Rolle ihr verantwortlicher Gesundheitsberuf, den die SPD national unbedingt erhalten wolle, künftig spielen wird. Der Wirtschaftsaspekt müsse jedenfalls in den Vordergrund gestellt werden. Auf der Bandbreite Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen, Bundesärztekammer befinden sich nach dem Dafürhalten des SPD-Abgeordneten die "vornehmen Apothekerverbände auf der Verliererseite". Die Apothekerorganisationen seien im öffentlich-rechtlichen Rahmen zu unverbindlich und die Kammern nur berufspolitisch-rechtlich zuständig.

Einer Meinung war Schmidbauer mit der zuvor schon von dem CDU-Bundesabgeordneten Wolfgang Lohmann in der Apothekergruppe gemachten Aussage: Die großen Bundestagsparteien sind gegen den fünfprozentigen Rabatt, den die Apotheken an die GKV zahlen müssen. Lohmann: „Das ist eine Subventionierung der Krankenkassen. Pervers wird es aber, wenn Rabatt auf die Zuzahlung gewährt werden soll."

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold, Bonn
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