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Die Hepatitis-C-Gefahr ist noch nicht gebannt

Datum 11.08.1997  00:00 Uhr

- Politik

Govi-Verlag

Die Hepatitis-C-Gefahr ist noch nicht gebannt

Drei Jahre nach Abschluß der parlamentarischen Untersuchungen über die Affäre um HIV-verseuchtes Blut und Blutprodukte zeigten sich der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Horst Schmidbauer und die Deutsche Hämophiliegesellschaft (DHG) unzufrieden mit den bisher aus dem Ereignis gezogenen Konsequenzen. Unverändert bestünden beträchtliche gesundheitliche Risiken beim Einsatz von Blut und Blutprodukten. Alle betroffenen Patienten liefen weiterhin Gefahr, sich mit Hepatitis C zu infizieren.

Trotz einer neunmonatigen Inkubationszeit bei dem Virus werde Spenderblut nicht selten schon bis zu drei Monate vor Ablauf der Zeit getestet. Eine heute bereits mögliche zusätzliche Analyse auf den Hepatitis-C-Erreger unterlasse die pharmazeutische Industrie mit Wissen des Bonner Ministeriums und seiner für die Arzneimittelsicherheit zuständigen nachgeordneten Behörden aus Kostengründen.

Schmidbauer und Ute Braun, Vorsitzende der Deutschen Hämophiliegesellschaft, traten zudem dafür ein, die Finanzmittel der seinerzeit eingerichteten Stiftung zur Entschädigung der Opfer aufzustocken und Ansprüche von mittelbar Betroffenen zu befriedigen. Angehörige und nichteheliche Lebenspartner von inzwischen verstorbenen Infizierten gingen derzeit immer noch leer aus. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer mochte die Vorwürfe nicht auf sich und seinem Ressort sitzen lassen. Er konterte die Angriffe mit der Bemerkung, die Sicherheit von Blutprodukten habe sich in den letzten Jahren "entscheidend verbessert".

Zugleich warb er um Verständnis dafür, daß die seinerzeit vom Bundestag geforderte Neuordnung des Arzneimittel-Haftungsrechts noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Hier prüfe das federführende Justizressort derzeit Empfehlungen einer interministeriellen Arbeitsgruppe. Angesichts der "komplizierten Materie" sei es zunächst wesentlich wichtiger gewesen, die Opfer der Affäre zu entschädigen und Lücken bei der Sicherheit von Blut und Blutprodukten zu schließen. Mittlerweile habe die Bundesrepublik auf diesem Gebiet ein Spitzenniveau erreicht. Ein nicht auszuschließendes Restrisiko bestehe allerdings in menschlichem Fehlverhalten.

Unter Hinweis auf weiterhin ausstehende Vorschläge für ein wirksameres Arzneimittel-Haftungsrecht sprachen Sozialdemokraten und Bündnis 90/Die Grünen nach den öffentlichen Äußerungen des Bundesgesundheitsministers von einem "Kniefall" Seehofers vor der mächtigen Pharmaindustrie. Damit habe er die betroffenen Patienten bitter enttäuscht.

PZ-Artikel von Jürgen Becker, Bonn
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