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STIKO-Empfehlung zu Affenpocken
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Pockenimpfung für Kontakte und Gefährdete

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Pockenimpfung als Postexpositionsprophylaxe für Kontaktpersonen von Affenpockenpatienten und für Personen mit hohem Expositionsrisiko. Das gab die Kommission heute bekannt.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 09.06.2022  15:20 Uhr

Seit Anfang Mai breitet sich das Affenpockenvirus außerhalb der Endemiegebiete in Afrika weltweit aus und hat auch Deutschland erreicht. Inzwischen wurden bundesweit laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mehr als 130 Fälle der Virusinfektion gemeldet. In der EU ist der Impfstoff Imvanex® des dänischen Impfstoffherstellers Bavarian Nordic A/S ab 18 Jahre gegen das Pockenvirus zugelassen, der auch vor dem nah verwandten Affenpockenerreger schützt. Nun hat die STIKO eine Empfehlung zum Einsatz dieses Lebendimpfstoffs erarbeitet.

Dieser soll als Postexpositionsprophylaxe erwachsenen Kontaktpersonen von Affenpockeninfizierten und als Indikationsimpfung erwachsenen Personen mit einem erhöhten Expositions- und/oder Infektionsrisiko angeboten werden. Ein entsprechender Beschlussentwurf der STIKO sei heute in das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren gegangen, schreibt die Kommission.

Möglichst rasche Postexpositionsprophylaxe

Als Postexpositionsprophylaxe soll die Impfung mit Imvanex nach Kontakt mit Infizierten den Ausbruch einer Infektion beim Geimpften verhindern. Dabei sollte die Immunisierung »so früh wie möglich im Zeitraum von bis zu 14 Tagen nach Exposition erfolgen«. Folgende Kontakte gelten als Indikation: Enger körperlicher Kontakt über nicht intakte Haut oder Schleimhäute mit einer an Affenpocken erkrankten Person (zum Beispiel sexuelle Kontakte, Haushaltskontakte) oder längerer ungeschützter Face-to-Face-Kontakt in einem Abstand von unter 1 Meter. Auch Kontakt ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung (FFP2-Maske/medizinischer Mund-Nasenschutz, Handschuhe, Schutzkittel) zu einer Person mit einer bestätigten Affenpockenerkrankung, ihren Körperflüssigkeiten oder zu kontaminiertem potenziell infektiösen Material in der medizinischen Versorgung ist eine Indikation für die Impfung. Zudem sollte Personal in Laboratorien mit unbeabsichtigtem ungeschützten Kontakt zu Laborproben, die nicht inaktiviertes Affenpockenmaterial enthalten, eine Postexpositionsprophylaxe erhalten.

Laborpersonal, das mit potenziell infektiösem Material arbeitet, kann eine Imvanex-Impfung auch als Schutzimpfung (ohne bestätigte Exposition) angeboten werden, empfiehlt die STIKO. Als Indikationsimpfung ist sie auch für Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben, zu empfehlen. Der Hintergrund sei, dass Affenpockenfälle in Deutschland bisher ausschließlich bei Männern der MSM-Community aufgetreten sind und diese Gruppe deshalb besonders geschützt werden soll.

Pockenimpfstoff nur begrenzt verfügbar

Da der Lebendimpfstoff zunächst nur eingeschränkt verfügbar sein werde, empfiehlt die STIKO, »bevorzugt exponierten Personen eine Postexpositionsprophylaxe anzubieten«. Für die Grundimmunisierung sind dabei zwei Impfstoffdosen in einem Abstand von mehr als 28 Tagen subkutan zu applizieren. »Bei Personen, die in der Vergangenheit bereits gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine einmalige Impfstoffgabe aus«, schreibt die STIKO. Nach Abschluss des Stellungnahmeverfahrens werde die Kommission die Empfehlungen und deren wissenschaftliche Begründung zeitnah im »Epidemiologischen Bulletin« veröffentlichen.

Für Deutschland wurden 40.000 Dosen Imvanex bestellt, wie Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) Ende Mai erklärte. In anderen Ländern wie Großbritannien, Kanada und den USA werden schon Ringimpfungen mir der Vakzine durchgeführt. 

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