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Renten- und Pflegereform
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PKV warnt: Bis zu 300 Milliarden Euro Mehrkosten bis 2040

Laut Frankfurter Allgemeine (FAZ) könnte die anstehende Pflegereform Jüngere noch teurer zu stehen kommen als das bereits beschlossene Rentenpaket. Die Zeitung beruft sich auf eine unveröffentlichte Studie des Wissenschaftlichen PKV-Instituts (WIP).
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 17.02.2026  13:14 Uhr

In der Gesetzlichen Renten- und Pflegeversicherung drohen laut einer unveröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen PKV-Instituts (WIP) bis zum Jahr 2040 zusätzliche Ausgaben von rund 300 Milliarden Euro. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) unter Berufung auf die Studie. Davon seien 139 Milliarden Euro an Zusatzkosten im Zuge der Renten-Neuordnung zu erwarten, auf die Pflege entfallen laut der Berechnung zwischen 102 und 215 Milliarden Euro.

Diese Summe müssten künftige Generationen aufbringen, wenn die derzeitigen Reformen und Reformpläne Wirklichkeit würden, teilte der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) mit. PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther warnte, dass nach dem Rentenpaket der Regierungskoalition mit der Pflegereform »der nächste Generationenkonflikt ins Haus stehen« könnte. Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden massiv überfordert, das schade dem Standort.

Verschärfung der Pflegekrise

Im Dezember 2025 hatte die vom Bund und den Ländern eingesetzte Arbeitsgruppe erste Ideen für eine Pflegereform vorgestellt. Doch das Papier enthielt kaum konkrete Pläne. Konkrete Aussagen zur Finanzierung machte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bisher nicht. Sie betonte aber, dass an den Prinzipien des Teilleistungssystems und den Pflegestufen festgehalten werden solle. »Wir werden niemandem Leistungen kürzen«, versprach sie mit der Einschränkung, »die nachweislich ihren Nutzen haben«.

Gegenüber der FAZ erklärte die Ministerin, dass die Dynamisierung der Pflegeleistungen für alle Seiten verlässlicher werden müsse, indem sie deren Entwertung entgegenwirke und die Steigerung der Eigenanteile bremse. Dies könne durch die dauerhafte Dynamisierung in Höhe der jährlichen Inflationsentwicklung sichergestellt werden. Darauf könne sich jeder einstellen, erklärte Warken der Zeitung. 

Krankenkassen und Pflegeverbände reagierten ernüchtert auf diese Ideen und prophezeiten eine Verschärfung der Pflegekrise. Aktuell arbeitet eine weitere Kommission an Reformideen für die Gesetzliche Krankenversicherung. Der Gesetzentwurf soll bis November beschlossen werden und 2027 in Kraft treten. 

Ebenfalls im Dezember 2025 hatte die Bundesregierung ein umfangreiches Rentenpaket beschlossen. Das Rentenniveau soll demnach bis 2031 bei 48 Prozent stabilisiert werden.  Zum 1. Januar 2027 treten Verbesserungen bei den Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder, die sogenannte Mütterrente III, in Kraft. Kostenpunkt sind 5 Milliarden Euro pro Jahr, finanziert aus Steuermitteln. Seit 2026 können außerdem Menschen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und bereits die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht haben, mit der Aktivrente bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Vertreter der Freien Berufe setzen sich dafür ein, dass auch Selbständige in den Berechtigtenkreis aufgenommen werden.

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