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Freihandel mit Südamerika
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Pharmabranche hofft auf Mercosur-Abkommen

Nach 20 Jahren steht das Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika kurz vor dem Abschluss. Die deutsche Pharmaindustrie sieht große Chancen in der neuen Freihandelszone. Sorgen vor neuer Konkurrenz hat man keine. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 20.01.2026  09:00 Uhr

Neue Markt- und Wachstumschancen 

Auch die großen Verbände der deutschen Pharmaindustrie begrüßen das Abkommen. Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) betont: »Ein tragfähig ausgestaltetes Mercosur-Abkommen könnte auch deutschen Pharmaunternehmen neue Markt- und Wachstumschancen bieten und vor allem mehr Planungssicherheit im internationalen Handel schaffen. Insbesondere vor dem Hintergrund einer steigenden Nachfrage nach Arzneimitteln in den Regionen durch den demografischen Wandel, dürfte mit steigenden Exporten zu rechnen sein«, so die Einschätzung des BPI. 

Das Mercosur-Abkommen steht auch in der Kritik. Gerade die europäische Landwirtschaft befürchtet eine Verdrängung durch günstige Agrarimporte aus Südamerika. Doch nach Einschätzung von Pharma Deutschland wird die deutsche Pharmaindustrie nicht durch neue Konkurrenz bedroht. 

»Deutschland hat einen massiven strukturellen Handelsüberschuss mit dem Mercosur: 2024 exportierte die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie Waren im Wert von 4,3 Milliarden Euro in die Mercosur Staaten – darunter Pharmaprodukte im Wert von 1,8 Milliarden Euro –, während Importe aus dem Mercosur in diesem Segment lediglich 178 Millionen Euro erreichten. Der Pharmahandel ist damit mehr als zehnmal so stark in Exportrichtung orientiert«, sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, gegenüber der PZ. In Südamerika habe man nicht die Produktions- und Forschungskapazitäten, um im Bereich der Arzneimittel mit europäischen Unternehmen konkurrieren zu können. 

Mehr Versorgungssicherheit 

Pharma Deutschland geht außerdem davon aus, dass das Mercosur-Abkommen die Versorgungssicherheit in Deutschland verbessern könne – vorausgesetzt, dass Schutzzertifikate respektiert werden. »Es eröffnet die Möglichkeit, Lieferketten zu diversifizieren und sich von der aktuell hohen Abhängigkeit etwa von China und Indien bei pharmazeutischen Wirkstoffen unabhängiger zu machen. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) bezeichnet den Mercosur als ›möglichen Partner der EU bei pharmazeutischen Lieferketten‹«, erklärt Brakmann.

Brasilien und Argentinien verfügen laut Pharma Deutschland über wachsende Produktionskapazitäten, die nach »Good Manufacturing Practices« arbeiten und damit europäische Qualitätsstandards erfüllen können. »Während der Covid-19-Pandemie haben Mercosur-Länder bereits erfolgreich Impfstoffe von Biontech/Pfizer und AstraZeneca produziert, was die Leistungsfähigkeit dieser Standorte belegt. Eine stärkere Einbindung des Mercosur in europäische Lieferketten ab Inkrafttreten des Abkommens Anfang 2027 hat zudem den Vorteil, die einseitige Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu reduzieren und Versorgungsrisiken bei Lieferengpässen oder geopolitischen Krisen zu verringern«, so die Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. 

Das Freihandelsabkommen wird auch vonseiten der Politik begrüßt. So teilte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Samstag mit, dass das Abkommen ein großes Entwicklungspotenzial für den Gesundheitsbereich auf beiden Seiten des Atlantiks biete. Das gelte für die Steigerung der Versorgung, den Ausbau von Forschungs- und Entwicklungskapazitäten, die Verbesserung der Resilienz in der Arzneimittelversorgung sowie das wirtschaftliche Wachstum. 

»Die EU ist einer der wichtigsten Handelspartner in der Gesundheitswirtschaft mit den Mercosur-Staaten. Das Abkommen baut noch bestehende Zölle für Gesundheitsprodukte zwischen den Mercosur-Staaten und der EU ab, wovon die starke deutsche Pharma- und Medizintechnik-Industrie in einem dynamisch wachsenden Wirtschaftsraum besonders profitieren kann«, so die Ministerin. 


 

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