Über das Portal »TrumpRx« sollen Amerikanerinnen und Amerikaner günstiger an Medikamente gelangen. / © Imago Images/ABACAPRESS
Mit dem Start der Online-Plattform »TrumpRx.gov« Anfang Februar hat die US-Regierung ihre Strategie zur drastischen Senkung von Arzneimittelpreisen in die Praxis umgesetzt. Über die neue Webseite sollen Patientinnen und Patienten in den USA künftig günstiger an Arzneimittel gelangen. Derzeit sind 40 Arzneimittel gelistet, weitere sollen folgen.
Die Plattform ist Teil einer umfassenden Initiative zur Senkung der Arzneimittelpreise in den USA. Im Mai letzten Jahres hatte die US-Regierung die Umsetzung eines »Most Favored Nation (MFN)«-Prinzips angekündigt. Danach sollen sich die US-Arzneimittelpreise an denen vergleichbarer Länder orientieren. Deutschland gilt dabei explizit als Referenzland.
»`TrumpRx´ schafft Fakten und zeigt einmal mehr, mit welchem Tempo und mit welcher Entschlossenheit die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden«, warnte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. Die amerikanische Preispolitik setze die deutschen Pharmaunternehmen mit US-Geschäft unter Druck. »Die Marktmacht und Exportintensität in die USA sind zu groß, als dass Deutschland von `TrumpRx´ nicht massiv betroffen wäre«, so Brakmann.
Unternehmen würden ihre Preis- und Markteintrittsstrategien zwangsläufig neu bewerten müssen – mit der Folge, dass Deutschland bei der Einführung neuer Arzneimittel zurückfallen oder ganz leer ausgehen könnte, erklärte sie weiter. »Wir müssen verhindern, dass die Transformation des US-Marktes zu Lasten der Patientenversorgung in Deutschland geht.«
Die Entwicklungen in den USA und ihre Auswirkungen auf den Pharmastandort Deutschland bräuchten »richtungsweisende und ressortübergreifende Antworten der Bundesregierung beim laufenden Pharmadialog«.
Ihr Verband sehe die Gefahr, dass die rasanten Veränderungen des globalen Pharmamarktes dazu führen könnten, dass innovative Arzneimittel später oder gar nicht in Deutschland oder Europa vermarktet werden, um niedrige Preisreferenzen zu vermeiden und den US-Preis zu schützen. Bereits heute bestehe gegenüber den USA ein spürbarer Innovationsrückstand: Seit 2015 seien insgesamt über 100 Substanzen gar nicht mehr in Europa zugelassen worden. Aktuell gebe es laut Verband 19 Arzneimittel mit »Breakthrough-Status«, die in den USA, aber nicht in Deutschland, verfügbar seien. Somit gerate die schnelle und langfristige Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel für deutsche Patientinnen und Patienten durch »TrumpRx« zusätzlich unter Druck.