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Erste klinische Daten zu Cariporid

Datum 22.03.1999  00:00 Uhr

- Pharmazie Govi-Verlag

Erste klinische Daten zu Cariporid

PZ Der Natrium-Protonen-Austauschhemmer Cariporid verringert das Reinfarkt- und Mortalitätsrisiko insgesamt nicht signifikant. Dies ist das vorläufige Ergebnis einer placebo-kontrollierten, randomisierten Doppelblindstudie, die auf dem Kongreß des American College of Cardiology (ACC) am 10. März 1999 vorgestellt wurde.

Natrium-Protonen-Austausch-Hemmer sollen bei akuter Sauerstoffunterversorgung (Ischämie)des Herzens – beispielsweise bei instabiler Angina pectoris - einer Gewebsnekrose entgegenwirken . Der Natrium-Protonen-Austauscher ist ein in der Myocardzellmembran angesiedeltes Transportprotein, das den intrazellulären pH-Wert reguliert. Unter ischämischen Bedingungen fällt der pH-Wert in der Zelle ab. Dadurch kommt es zu einer Aktivierung des Transporters, der dann intrazelluläre Protonen gegen extrazelluläre Natriumionen austauscht. Die dadurch hervorgerufene hohe Natriumkonzentration in der Zelle bewirkt die Aktivierung eines zweiten Transportproteins, das über einen Antiport-Mechanismus Natriumionen gegen Calciumionen austauscht. Die hohe intrazelluläre Calciumkonzentration ist letztlich Ursache für eine massive Schädigung der Myokardzelle.

In der von Hoechst Marion Russel unterstützten GUARDIAN-Studie (GUARD During Ischemia Against Necrosis) wurden von Mai 1997 bis August 1998 über 11000 Patienten entweder mit Cariporid oder Placebo zusätzlich zur Standardtherapie behandelt. Die Behandlungsdauer betrug jeweils zwei bis sieben Tage.

Als primärer Endpunkt der Studie wurde die Häufigkeit von Todesfällen oder Herzinfarkten 36 Tage nach Studienbeginn festgelegt. Die Daten ergaben in der Placebogruppe eine Mortalitäts- und Herzinfarktrate von 13,4 Prozent, bei der mit 20 mg behandelten Gruppe eine Rate von 13,5 Prozent. Erhielten die Probanden 80 mg, betrug die Häufigkeit von Todesfällen und Herzinfarkten 14,1 Prozent, während diese bei der mit 120 mg behandelten Patientengruppe bei 12,8 Prozent lag. Die weiteren Analysen zeigten, daß die Häufigkeit von Todesfällen beziehungsweise Herzinfarkten in der Untergruppe der koronaren Bypass-Patienten, die mit 120 mg Cariporid behandelt wurden, von 16,7 Prozent auf 12,8 Prozent absank.

Wie Hoechst mitteilt, wies Cariporid im Vergleich zu Placebo keine wesentlichen Nebenwirkungen auf. "Eigentlich hatten wir gehofft, insgesamt eine statistisch signifikante Wirkung feststellen zu können", kommentierte Dr. Pierre Theroux vom Montreal Heart Institute in Kanada das vorläufige Ergebnis dieser Studie. Allerdings "werden wir die Entwicklung von Cariporid fortsetzen, wenn die weiteren Analysen die Ergebnisse bestätigen, die wir bei den Patienten mit koronarer Bypass-Operation beobachtet haben", kündigte man bei Hoechst Marion Roussel an. Top

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