Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Safran auf marokkanisch

Datum 17.04.2000  00:00 Uhr

- Pharmazie Govi-Verlag GEFÄLSCHTE GEWÜRZE

Safran auf marokkanisch

von Johannes Seidemann, Potsdam

Seitdem die Reinheit und Qualität von Gewürzen, Drogen sowie Arznei- und Lebensmitteln bereits durch die Erzeuger und einschlägige Importeure kontrolliert wird, treten in Deutschland nur noch selten unzulässige Verunreinigungen und Verfälschungen auf. Jedoch hat man den Eindruck, dass neuerdings bei Lebensmitteln vereinzelt Reklamationen auftreten. So berichtet unter anderem Hesford (3) über zwei größeren Verfälschungsskandale von Apfelsäften mit Fructosesirup. Der erste betraf Deutschland und Europa und der zweite die USA.

Ganz anders sieht es aus, wenn man Gewürze und Drogen speziell in außereuropäischen Ländern kauft. So wurde vor geraumer Zeit über eine Verfälschung von schwarzen Pfefferfrüchten mit Papayasamen in Sri Lanka berichtet (4). Beim Safran (Crocus sativus L.) verleitet der hohe Preis seit Jahrhunderten dazu, die Droge mit den verschiedensten pflanzlichen Stoffen, zum Beispiel Narben und Griffelteile von Crocus biflorus Mill. sowie Zungen- und/oder Röhrenblüten der Ringelblume (Calendula officinalis L. oder der Färberdistel (Cartamnus tinctorius L.) zu strecken. Mitunter wird Safranpulver auch mit Mais- sowie Paprikapulver gestreckt oder mit Ziegelmehl und Bleiverbindungen beschwert.

Schon 1456 wird aus Nürnberg berichtet, dass der Krämer Hanns Knobel und sein Gehilfe Lienhard Frey "sammt ihrer gefälschten Wahr lebendig verbrennet" wurden. Mitunter begrub man die Betrüger auch bei lebendigen Leibe oder stach ihnen die Augen aus (5). Solche Gerichtsurteile waren im Mittelalter in zahlreichen europäischen Handelsstädten an der Tagesordnung.

In letzten Jahren wurde erneut über vereinzelte Safranverfälschungen berichtet. So berichteten Zamboni und seine Mitarbeiter (7) vor geraumer Zeit über Verfälschungen von Safran in Brasilien sowohl bei einheimischen als auch importierten Lieferungen. Anfang der 80er Jahre warnte Professor Dr. Franz Czygan aus Würzburg ebenfalls vor entsprechenden Verfälschungen (2).

Dies Warnung sollte ernst genommen werden. Während eines Aufenthaltes in Marokko besuchte ich unter anderem auch diverse offenen Gewürzläden in einheimischen Souks (Märkte). Beim Betreten der Gewürzläden wurde ich zunächst mit einem Glas frisch zubereitetem Minztee, scherzhaft als marokkanischer Whisky bezeichnet, begrüßt. Anschließend bot der Händler mir dann Gewürze und Drogen zum Verkauf an. Man kann sich den freundlichen und sehr geschäftstüchtigen Händlern, die sich teils auch als Naturärzte bezeichnen, nur schwer entziehen. Nur kleinere Mengen zu kaufen fällt ebenfalls schwer.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass es sich bei der verwendeten Minze nicht um Pfefferminze handelte, wie häufig behauptet wird. Obwohl die Droge als Pfefferminze angepriesen und auch verkauft wird, handelt es sich meist um Poleiminze (Mentha pulegium L.). Auch den Safran, den ich auf einem marokkanischen Souk kaufte, erwies nach Prüfung als verfälscht. Ich fand per Lupe eindeutige Blütenteile der Färberdistel.

Wem in ostasiatischen Ländern wie Sri Lanka, Thailand und Indonesien Safranpulver auf Märkten oder in Gewürzgärten angeboten wird, sollte auch auf der Hut sein. Denn hierbei handelt es sich meist um gepulverten Kurkumawurzelstock. Letzterer wird auch als Gelb- oder Safranwurzel bezeichnet. Hier kann nicht von Verfälschung gesprochen werden, da Safran in diesen Ländern seit Jahrhunderten als Kurkumarhizompulver bezeichnet wird.

Sowohl in den Gewürzläden als auch in der "Vorzeigeapotheke" in Marrakesch, durch die alle Reisegruppen geschleußt werden, gibt es bei der eingehenden Vorstellung neben einheimischen Arzneimitteln, unzerkleinerten sowie pulverisierten Gewürzen und Mischungen, wie Ras el Hanout auch "roten Ginseng" im Angebot. Bereits beim oberflächigen Betrachten fiel auf, dass es sich hierbei nicht um roten Ginseng, sondern eindeutig um Galgantrhizomstücke (Alpinia officinarum Hance) handelte.

Roter Ginseng, in Japan offizinell, wird aus der ursprünglich weißen Wurzel von Panax ginseng C.A. Meyer durch Überbrühen (1,5 bis vier Stunden) und anschließendes Trocknen bereitet. Roter Ginseng besitzt tiefe, teils unterbrochene breite Längsrillen, während für Galgant die weißen, gekräuselten Querringe, die von den Niederblättern des Rhizoms stammen, charakteristisch sind. Unter dem Mikroskop sichtbar sind im roten Ginseng die kleinen Stärkekörner (4 bis 20 µm), die durch das Überbrühen stark aufquellen. In unserem "marokkanischen roten Ginseng" fanden wir dagegen die typischen einfachen, birnen-, keulen- oder flaschenförmigen, rund 20 bis 35 µm großen Stärkekörner. Ein weiterer eindeutiger Beweis, dass es sich hierbei um eine Verfälschung handelte.

Neben dem falschen Ginseng wurde uns auch falsches Arganöl angeboten, dass normalerweise von den olivenähnlichen Früchten des Argan- oder Ardjanbaumes (Argania spinosa L. Skeel) stammt. Arganöl dient nicht nur als Speiseöl, sondern wird auch bei Hautkrankheiten wie Akne und als Massageöl sowie mit Honig vermischt, als Potenzmittel angewendet. Es konnte nachgewiesen werden, daß eines der beiden Arganöle verfälscht war (6).

Diese Beispiele zeigen auch, dass man beim Kauf von Gewürzen und Drogen in anderen Ländern sehr vorsichtig sein sollte, auch wenn die niedrigen Preise oft verlockend sind.

Literatur:

  1. N.N., Die betrogene Hoffnung - Arzneimittelfälschungen in der Dritten Welt. Dtsch. Apoth. Ztg. 137 (1997) 833 - 834.
  2. N.N., Warnung vor Safran-Verfälschungen. Dtsch. Apoth. Ztg. 120 (1980) 1848.
  3. Hesford, F., Welche Konsequenzen werden aus den Verfälschungsskandalen der jüngeren Vergangenheit gezogen ? Flüssiges Obst 64 (1997) 627 - 630.
  4. Seidemann, J.: Über eine bisher unbekannte Pfefferverfälschung. Dtsch. Lebensm. Rdsch. 90 (1994) 150 - 152.
  5. Seidemann, J., Zeittafeln zur Geschichte von Gewürzen und anderen Würzmitteln. 2. Aufl. eigener Verlag, Potsdam 1997.
  6. Seidemann, J., Verfälschung von Arganöl (Argania spinosa /L./ Skell.). Dtsch. Lebensm. Rdsch. 94 (1998) 26 - 27. Zamboni, C. Q.,Atui, M. B., Alves, H. I., Deteccao de fraudes em acafrao e colorau. Cienc. Tecnol. Aliment. 15 (1995) 124 - 127.

Anschrift des Verfassers:
Dr. Johannes Seidemann,
Neuendorfer Straße 26/56,
14480 Potsdam
Top

© 2000 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa