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Hautsache Dexpanthenol

Datum 01.01.2001  00:00 Uhr

Hautsache Dexpanthenol

von Ulrich Brunner, Grenzach-Wyhlen

Bis heute ist es der Wissenschaft noch nicht gelungen, die Entzündungsprozesse in der Haut vollständig aufzuklären. Inzwischen geht man davon aus, dass diverse Botenstoffe nicht nur inflammatorisch wirken, sondern auch Heilungsprozesse fördern.

Wenn sich die Haut nach oberflächlichen oder tiefen Verletzungen rötet, ist das ein Zeichen dafür, dass unser Immunsystem auf den äußeren Reiz reagiert. In betroffenen Arealen zirkulieren verstärkt Zytokine wie Tumornekrosefaktor (TNF) oder Interleukin-1 (IL-1). Die Botenstoffe führen unter anderem zu einer Gefäßerweiterung und die Haut wird besser durchblutet. TNF und IL-1 fördern indirekt aber auch die Wundheilung. So wiesen Wissenschaftler nach, dass die Zytokine auch die Produktion von neuen Keratinozyten ankurbeln, und so defektes Gewebe wieder repariert werden kann.

"Die Entzündung ist für die Wundheilung essenziell, sie darf aber nicht zu lange anhalten", erklärte Professor Dr. Erhardt Proksch von der Unihautklinik Kiel kürzlich auf einem Roche-Presseworkshop in Grenzach anläßlich des 50. Geburtstages von Bepanthen®. Strömten zu viele Entzündungsmediatoren in die Wunde, würde der Heilungsprozess aufgehalten. Deshalb gelte es, die Entzündung rechtzeitig mit antiinflammatorischen Dermatika zu bremsen.

Proksch und seine Mitarbeiter testeten an 20 Probanden den antientzündlichen Effekt der Dexpanthenol-haltigen Wund- und Heilsalbe Bepanthen®. Dazu behandelten sie zunächst über 24 Stunden ein Areal am Unterarm ihrer Probanden mit Natriumlaurylsulfat und schädigten so gezielt die Hautbarriere. Anschließend behandelte das Team wiederholt die lädierten Bereiche entweder mit Bepanthen® oder einer Salbengrundlage und bestimmten dann den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) sowie das Ausmaß der Hautrötung.

Die Dexpanthenol-Salbe habe die Wundheilung signifikant beschleunigt, und auch die Hautrötung sei im Vergleich zur Therapie mit der Salbengrundlage deutlich schneller abgeklungen, berichtete der Dermatologe. Für Proksch ist das ein eindeutiger Beleg für die entzüdungshemmende Wirkung des Dexpanthenols.

Die Substanz wird zunächst in der Haut zu Panthothensäure umgewandelt. Diese nutze der Organismus unter anderem zur Produktion von Coenzym A, das dann unter anderem in die für die Barriereschicht notwendigen Ceramide eingebaut werde, erklärte der Experte.

Auch Professor Dr. Wolfgang Gehring von der Hautklinik Karlsruhe berichtete von viel versprechenden Studienergebnissen mit Dexpanthenol. Er und sein Team konnten mit verschiedenen Untersuchungen belegen, dass Dexpanthenol nicht nur schneller die zuvor geschädigte Hautbarriere stabilisierte, sondern auch die Rehydratation der Hornschicht begünstigte. Auch bei diesen Experimenten schädigten die Wissenschaftler die Haut zuvor, indem sie Areale mehrfach mit Natriumlaurylsulfat-haltigen Lösungen abwuschen.

Leider nutzt nicht nur die Wissenschaft die hautschädigende Wirkung von Natriumlaurylsulfat im Experiment. Obwohl die austrocknende Wirkung des "Barriererkillers" bekannt sei, setze man ihn noch immer diversen Reinigungsprodukten zu. Für Gehring ist es unverständlich, wenn solche Präparate auch noch als hautpflegend bezeichnet werden. "Leider glauben viele Menschen noch immer, die Haut wird erst richtig sauber, wenn es schäumt", sagte der Referent. Und genau deshalb lande der schädliche Schaumbildner immer noch in so manchem Dusch- oder Badegel. Top

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