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Morbus Parkinson: fünf neue Wirkstoffe am Start

Datum 28.04.1997  00:00 Uhr

- Pharmazie

  Govi-Verlag

Morbus Parkinson: fünf neue
Wirkstoffe am Start

  Eine effizientere Therapie für Patienten mit Morbus Parkinson verspricht sich Dr. Gudrun Ulm aus Kassel von den COMT-Hemmern Tolcapon und Entacapon, mit deren Neueinführung in diesem Jahr zu rechnen ist. Hoffnungen setzt die Medizinerin auch in die Einführung der beiden Dopamin-Agonisten Pramipexol und Ropirinol, die möglicherweise besser verträglich sind als das Ergolinderivat Cabergolin. Ebenfalls in den Startlöchern, werde vermutlich künftig auch Budipin zur Steigerung der Lebensqualität des Parkinsonpatienten beitragen, so Ulm auf einer Veranstaltung der Parkinson-Vereinigung Ende März in Hamburg.

Nach wie vor werden Patienten mit Morbus Parkinson initial mit der Kombination aus L-Dopa und Decarboxylasehemmer therapiert. Dabei wird L-Dopa überwiegend durch das Enzym Catechol-O-Methyltransferase (COMT) verstoffwechselt. Tolcapon und Entacapon gehören zu der neuen Substanzklasse der COMT-Hemmer, die geeignet sind, die L-Dopa-Wirkung zu verlängern und zusätzlich L-Dopa-sparend zu therapieren. Gerade im Hinblick auf Spätsymptome, vor allem Fluktuationen und Dyskinesien, rechne sie mit einer deutlichen Besserung der Beschwerden, so Ulm. Inwieweit Tolcapon und Entacapon in der Frühkombination einzusetzen sind, müßten weitere Studien zeigen.

Vorteile im Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil verspricht Ulm sich von den neuen Dopamin-Agonisten Pramipexol und Ropirinol, die im Gegensatz zu dem gängigen Dopamin-Agonisten Cabergolin keine Ergolinderivate sind. Die Chefärztin der Paracelsus-Klinik in Kassel begrüßte die Tatsache, daß somit in absehbarer Zeit neben Bromocriptin, Lisurid, Pergolid und Dihydroergocriptin drei weitere dopaminerge Agonisten zur Verfügung stehen. Die Chancen für den Patienten, das für ihn am besten geeignete Präparat zu finden, erhöhen sich damit. Hoffnungen setzt sie außerdem auf die Einführung von Budipin. Das Biperidinhydrochlorid Budipin sei in die üblichen Kategorien der Parkinsonmedikamente nicht einzuordnen. Es zeichne sich nicht nur durch eine gute Dämpfung des Ruhetremors aus, sondern habe bei guter Verträglichkeit auch positive Wirkungen auf Rigor und Akinese.

Ulm verwies auf Schwierigkeiten in der Diagnose. Abgesehen von Spezialuntersuchungen wie Fluor-Dopa-PET und Rezeptorbindungsstudien, die jedoch nur an wenigen Kliniken und hier im wesentlichen zu wissenschaftlichen Zwecken durchgeführt werden, gebe es keine biochemischen Tests oder apparative Untersuchungen, die die Diagnose Parkinson frühzeitig sichern können. Man müsse sich auf die Wahrnehmung erster Symptome konzentrieren. Dabei spiele die Ansprechbarkeit des Patienten auf L-Dopa-Präparate eine entscheidende Rolle.

Die Referentin hob hervor, daß sich Depressionen bei Morbus Parkinson nicht nur als Begleiterscheinung entwickeln, sondern bereits erstes Symptom der Erkrankung sein können. Es gebe Patienten, die über Jahre ohne Erfolg psychotherapeutisch behandelt und einer adäquaten Therapie erst viel zu spät zugeführt würden. Allein durch eine gut eingestellte Parkinsontherapie bessere sich die depressive Symptomatik.

PZ-Artikel von Christiane Berg, Hamburg
   

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