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Mit Trovafloxacin gegen schwereAtemwegsinfekte

Datum 10.08.1998  00:00 Uhr

- Pharmazie

Govi-Verlag

Mit Trovafloxacin gegen schwere Atemwegsinfekte

Am 3. Juli erhielt Trovafloxacin die europäische zentrale Zulassung. Die Paul-Ehrlich-Gesellschaft ordnet den Wirkstoff in die Gruppe IV der Fluorochinolone ein; Stoffe dieser Gruppe zeichnen sich durch eine verbesserte Aktivität gegen gramnegative, grampositive - insbesondere Pneumokokken - und atypische Erreger sowie erstmals auch gegen Anaerobier aus.

Trovafloxacin (Trovan ®) ist der erste in Deutschland zugelassene Vertreter dieser Gruppe. In den USA wurde es im Februar dieses Jahres eingeführt. Weitere Chinolone der vierten Gruppe befinden sich in klinischer Entwicklung; als Beispiele nannte Professor Dr. Dieter Adam vom Dr.-von-Haunerschen-Kinderspital der Universität München bei einem Pressegespräch der Firma Pfizer Mitte Juli die Antibiotika Gatifloxacin, Moxifloxacin und Clinafloxacin.

Trovafloxacin ist indiziert bei Infektionen der Atemwege wie ambulant erworbene Pneumonie, akute Exazerbation der chronischen Bronchitis und akute Sinusitis sowie im gynäkologischen Bereich. Die neuen Chinolone sollten nicht bei banalen Erkrankungen eingesetzt werden, warnte Professor Dr. Friedrich Vogel, Hofheim. Sie seien aber gut geeignet für mittelschwere bis schwere Infektionen, bei älteren Patienten, bei Patienten mit Grunderkrankungen, häufigen Exazerbationen oder Rezidiven sowie bei Versagen der Initialtherapie. Das Wirkspektrum umfaßt laut Firmenangaben alle relevanten Erreger von Atemwegsinfekten.

Trovafloxacin ist liquorgängig. In einer Studie in Nigeria war es wirksam bei Meningokokken-Meningitis; es ist für die Meningitis-Therapie jedoch nicht zugelassen, zumal diese Infektion in Europa vorwiegend durch Haemophilus influenzae B oder Pneumokokken ausgelöst wird.

Für Kinder und Jugendliche bis zum Ende der Wachstumsphase sowie für schwangere und stillende Frauen sind Chinolone nicht zugelassen, da im Tierversuch Knorpel- und Gelenkschäden festgestellt wurden.

Als günstig bewertete Adam die lange Halbwertszeit von circa elf Stunden, die eine Einmalgabe ermöglicht. Es kann intravenös oder oral appliziert werden, wobei auch eine Sequentialtherapie möglich ist (Therapiebeginn mit 200 bis 300mg i.v. einmal täglich, dann Umstieg auf 200mg p.o.). Trovafloxacin ist zu 90 Prozent bioverfügbar und wird vorwiegend über die Galle eliminiert. Daher ist auch bei älteren Patienten oder bei eingeschränkter Nierenfunktion keine Dosisanpassung nötig. Etwa fünfzig Prozent des Arzneistoffs werden unverändert ausgeschieden; Metaboliten entstehen durch Konjugation.

Das phototoxische Potential sei geringer als bei anderen Chinolonen, sagte Adam. Gleichwohl sollen die Patienten eine längere Einwirkung von zu starkem Sonnenlicht oder UV-Strahlung meiden. Als besondere Nebenwirkung wird leichte Benommenheit oder Leichtigkeitsgefühl im Kopf ("dizziness") beschrieben. Dies wurde häufiger bei jüngeren Frauen beobachtet. Halluzinationen traten laut Adam nicht auf. Nach Angaben von Dr. Christine Schellhorn von der Pfizer GmbH soll eine "dizziness" deutlich seltener sein, wenn die Tabletten zum Essen oder vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit und Kopfschmerzen.

Die Apothekerin wies auf mögliche Interaktionen mit anderen Arzneistoffen hin. So vermindern magnesium- oder aluminiumhaltige Antacida, Sucralfat, Eisen-Präparate und Morphin die Resorption oder Bioverfügbarkeit von Trovafloxacin. Es soll ein Zeitabstand von zwei bis vier (bei Antacida-Einnahme) Stunden eingehalten werden. Die gleichzeitige Nahrungsaufnahme beeinflußt die Resorption dagegen nicht.

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, München
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