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Pflegegrade sollen bleiben, aber auf den Prüfstand

Wie lässt sich die Pflegeversicherung nachhaltig reformieren? Unlängst gab es dazu Spekulationen um die Abschaffung von Pflegegrad 1. Dies ist vom Tisch, wie erste Zwischenergebnisse der  Bund-Länder-Arbeitsgruppe »Zukunftspakt Pflege« zeigen. Die Strukturen sollen aber vereinfacht und fokussiert werden.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 14.10.2025  09:46 Uhr

In der Pflegeversicherung wollen Bund und Länder grundsätzlich an Pflegegraden festhalten, doch die konkreten Leistungen überprüfen und vereinfachen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Gestern hatte die Bund-Länder-Arbeitsgruppe »Zukunftspakt Pflege« in einer digitalen Sitzung Zwischenergebnisse der Fachebene erörtert, wie es hieß.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte: »Eine umfassende Reform ist überfällig.« Bund und Ländern müsse eine Kraftanstrengung gelingen. Die Wirkung bisheriger Leistungen müsse aus Effizienzgründen auf den Prüfstand.

Die Unterscheidung nach Pflegegraden solle grundsätzlich beibehalten werden, hieß es in der Mitteilung weiter. Strukturen des Leistungsrechts wollen Bund und Länder jedoch möglichst vereinfachen und fokussieren. Ende September hatte ein »Bild«-Bericht für Aufregung gesorgt, demzufolge in der Koalition über eine mögliche Abschaffung des Pflegegrads 1 diskutiert werde.

Laumann: Betroffene finden sich im Leistungsrecht nicht zurecht

Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) reagierte wenige Tage später ausweichend auf eine entsprechende Nachfrage. Auf die Frage, ob eine Abschaffung des Pflegegrads 1 die Lösung sei, antwortete Frei in der ARD-Sendung »Maischberger«: »Das kann man so pauschal nicht sagen.« Er »kenne niemanden aus der Koalition, der den Vorschlag gemacht hat«.

Nun sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): »2017 hatten wir bei der letzten großen Pflegereform die Pflegegrade eingeführt. Das war zu der Zeit auch richtig.« Doch inzwischen habe man ein hochkomplexes Leistungsrecht, in dem die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sich oftmals nicht mehr zurechtfänden.

»Zudem haben wir in der Pflegeversicherung noch keine guten Lösungen für pflegerische Akutfälle – wenn zum Beispiel kurzfristig die Pflegeperson ausfällt und ganz schnell eine Versorgung gefunden werden muss«, so Laumann weiter. Dies sei Teil der Reformüberlegungen.

SPD: Kein Spargesetz auf dem Rücken der Schwächsten

Warken meinte: »Wir müssen das System der sozialen Pflegeversicherung nachhaltig aufstellen.« Stetige Beitragssteigerungen und Mehrbelastungen könnten nicht die Lösung sein. »Die Einnahmen im System müssen ausreichen, um das Leistungsversprechen zu finanzieren.«

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) sprach sich für eine Stärkung der heimischen Pflege aus. Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, und Gesundheitsexperte Christos Pantazis erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme: »Mit uns wird es kein Spargesetz auf dem Rücken der Schwächsten geben.« 

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