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Riskante Immobiliengeschäfte
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Pensionskasse BVK: »Altersvorsorge für Apotheker bleibt sicher«

Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) steht Medienberichten zufolge wegen riskanter US-Immobiliengeschäfte unter Druck. Aufgrund von Fehlinvestitionen entstand der Pensionskasse ein Gesamtschaden von 700 Millionen Euro. Auswirkungen auf die Versorgungsleistungen schließt die BVK jedoch aus.
AutorKontaktEv Tebroke
Datum 14.01.2026  13:04 Uhr

Mit riskanten Immobiliengeschäften verhoben: Die Bayerische Versorgungskammer (BVK), unter der auch die Bayerische Apothekerversorgung läuft, hat aufgrund von Investitionen in riskante US-Immobilien rund 700 Millionen Euro Verlust eingefahren. Die »Süddeutsche Zeitung« (SZ) hatte zuerst darüber berichtet.

Insgesamt geht es um Eigenkapitalengagements in Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro unter anderem in Bürogebäude und Hotels in San Francisco, Miami und Manhattan. Dieser Betrag entspricht nach BVK-Angaben weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlage zum Ende 2024. Gefahr für die Altersversorgung der Versicherten bestehe nicht, betont die BVK.

»Auswirkungen auf die Versorgungszusagen gegenüber Mitgliedern, Versicherten und Leistungsempfängern schließen wir aus – das gilt selbstverständlich auch für die bei uns versicherten Apothekerinnen und Apotheker«, bekräftigte ein BVK-Sprecher auf Anfrage der PZ. »Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist und bleibt sicher.«

Auch wenn Teile der jüngsten Berichterstattung einen anderen Eindruck erweckten: »An den Aussagen aus unserem News-Beitrag – insbesondere den kommunizierten Zahlen zu Investitionsvolumen und Verlustrisiken – hat sich nichts geändert.«

Bislang keine Abschreibungen oder Rückstellungen in den Einzelbilanzen

Die Versorgungskammer hatte sich bereits im Dezember auf ihrer Internetseite zu den Vorgängen geäußert. Die BVK sei bei drei »besonders risikobehafteten« Projektentwicklungen sowie einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco, engagiert, ist dort zu lesen. Das entsprechende Investitionsvolumen dieser Projekte betrage 820 Millionen Euro. Darüber hinaus habe die BVK in drei Bestandsobjekte investiert. Für diese liege die Investitionssumme bei rund 770 Millionen Euro. Insgesamt könne das Eigenkapitalengagement im Rahmen von US-Immobilieninvestitionen mit der Investmentgesellschaft Deutschen Finance Group und der US-amerikanischen Immobilienfirma SHVO auf rund 1,6 Milliarden Euro beziffert werden.

Im Geschäftsjahr 2024 waren nach BVK-Angaben bereits Wertberichtigungen in Höhe von rund 163 Mio. Euro vorgenommen worden. Stand heute müsse von einem weiteren Verlustrisiko in den Zielfonds in Höhe von bis zu 690 Millionen Euro ausgegangen werden, was einem Anteil an der gesamten Kapitalanlage in Höhe von rund 0,6 Prozent entsprechen würde.

Bei den drei Bestandsobjekten bestünden keine vergleichbaren Risiken. Temporäre, buchhalterische Wertberichtigungen könnten zwar nicht ausgeschlossen werden. Diese seien aber nicht mit Verlusten gleichzusetzen.

Von der BVK heißt es aktuell gegenüber der PZ: »Die Bayerische Versorgungskammer musste bisher keinerlei Abschreibungen oder Rückstellungen in den Einzelbilanzen der investierten Versorgungseinrichtungen vornehmen. Denn Verluste in einzelnen Immobilienfonds haben in einem breit diversifizierten Kapitalanlageportfolio wie dem der BVK keine Auswirkung auf die Versorgungsleistungen unserer Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger. Sie werden durch die guten Ergebnisse aus den anderen Assetklassen gemäß unserer Diversifizierungsstrategie kompensiert.«

Klagen auf Schadenersatz

Die BVK gilt mit knapp 3 Millionen Versicherten als eine der größten Pensionskassen Deutschlands. Nach eigenen Angaben ist sie hierzulande die größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe und führt die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen für Angehörige freier Berufe wie Apotheker, Ärzte oder Anwälte.

Eigentlich hat die Bayerische Versorgungskammer den Auftrag, ihre Beiträge konservativ und sicher anzulegen. Die Investments in die US-Projekte und ein umfangreiches Renovierungsobjekt gelten hingegen als spekulativ. Das könnte neben dem finanziellen Verlust nun weitere unangenehme Konsequenzen für die Pensionskasse haben. Wie die SZ berichtete, droht neben einer bereits laufenden US-Schadenersatzklage auch hierzulande ein rechtliches Nachspiel. Demnach haben die Wirtschaftsanwälte Peter Mattil und Stephan Greger in Bayern eine »Interessengemeinschaft Versorgungswerke« gegründet, mit dem Ziel, die Deals restlos aufklären. Klagen auf Schadenersatz könnten die Folge sein.

Besonders brisant ist laut SZ, dass ein erheblicher Teil der Geschäfte über den US-Investor Michael Shvo abgewickelt wurde, der bereits 2018 wegen Steuerbetrugs verurteilt worden war. Diese Vorbelastung sei offenbar erst spät erkannt worden.

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