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Durchschnittlich 42 Tage 
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Patienten warten immer länger auf Facharzttermine 

Gesetzlich Versicherte müssen immer länger auf Termine beim Facharzt warten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) räumt ein, dass die bisherigen Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung geführt haben und will das Problem mit einem Primärversorgungssystem von Grund auf lösen. 
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 05.02.2026  09:42 Uhr

Hoffen auf Reform

Buhlinger-Göpfarth zeigte sich optimistisch, dass die geplante schwarz-rote Primärarztreform Wirkung zeigt: »Durch die bessere Steuerung werden in den Facharztpraxen Kapazitäten für die wirklich dringenden Fälle frei.« Aktuell schlügen viele Patienten beim Facharzt auf, die dort gar nicht hingehörten.

»Das Motto lautet vielerorts: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Daran sind nicht die Patientinnen und Patienten schuld, sondern das chaotische System, in dem jeder auf eigene Faust versuchen muss, sich irgendwie durchzuschlagen.« Bei den Reformplänen soll die Hausarztpraxis die Patienten innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit Termin an Fachärzte überweisen. Die genaue Gestaltung ist noch offen. Alltag werden soll es 2028.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, wies Kritik zurück. »Die allermeisten Termine erfolgen innerhalb von drei Tagen, Notfälle werden sofort behandelt«, sagte Gassen der »Rheinischen Post«. Jeder Siebte bekomme »sogar noch am selben Tag einen Termin beim Facharzt«.

Es handele sich um eine Luxusdiskussion: In fast allen Ländern seien die Wartezeiten »deutlich länger«. Schränke die Politik den finanziellen Spielraum weiter ein, werde es weniger Termine geben, warnte Gassen.

Gesundheitsministerin verspricht Verbesserungen

Am Mittwochnachmittag meldete sich die Gesundheitsministerin selbst zu  Wort. Warken räumte in einer Stellungnahme ein, dass die langen Wartezeiten für viele Versicherte ein Problem seien. »Die Schaffung von Anreizen für schnellere Facharzttermine – etwa aus der vergangenen Legislaturperiode – hat offenkundig nicht zu nachhaltigen Verbesserungen geführt.« Warken will daher konkrete Strukturveränderungen umsetzen, die das Problem »von Grund auf« angehen. 

Die Gesundheitsministerin setzt dabei auf mehr Navigation und Steuerung sowie eine zielgerichtetere Nutzung der verfügbaren Zeit in den Arztpraxen. »Ein Kernpunkt der anstehenden Einführung eines Primärversorgungssystems ist eine schnellere fachärztliche Versorgung für gesetzlich Versicherte durch bedarfsgerechte, an der Dringlichkeit des medizinischen Anliegens orientierte Wartezeiten. Konkret: Wenn  ein schneller Termin medizinisch notwendig ist, so soll er auch gewährt werden«, so Warken. 

Auch Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, hofft auf das Primärversorgungssystem: »Ein modernes Primärversorgungssystem bedeutet ausdrücklich nicht, neue Hürden aufzubauen oder zusätzliche Flaschenhälse zu schaffen. Im Gegenteil: Es geht um eine kluge und medizinisch fundierte Steuerung, die Patientinnen und Patienten frühzeitig in die jeweils passende Versorgung lenkt.« Auch eine  digitale Ersteinschätzung könne dazu beitragen, den tatsächlichen Behandlungsbedarf besser einzuordnen und Wege im System zu verkürzen.

Pantazis weist allerdings auch darauf hin, dass sich die grundlegenden Probleme wie der demografische Wandel und der Fachkräftemangel nicht mit Einzelmaßnahmen lösen lassen. »Notwendig sind eine bessere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe, eine spürbare Entlastung der Praxen von unnötiger Bürokratie und eine konsequente Nutzung digitaler Möglichkeiten wie der elektronischen Patientenakte, um Behandlungsabläufe effizienter zu gestalten«, so der Sozialdemokrat. 

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