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Atemwege und Haut
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Paracetamol so sicher wie Ibuprofen im ersten Lebensjahr

Eine neue Studie aus Neuseeland bestätigt die Sicherheit der Anwendung von Paracetamol im Vergleich zu Ibuprofen bei Säuglingen. Es gab keinen Hinweis auf ein vermehrtes Auftreten einer Bronchiolitis oder von Ekzemen im ersten Lebensjahr. Langfristig will die Studie herausfinden, ob der frühe Paracetamol-Einsatz das Asthmarisiko erhöht.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 28.01.2026  15:00 Uhr

In früheren Studien wurde die Exposition gegenüber Paracetamol in der frühen Kindheit mit einem erhöhten Risiko für Ekzeme und Atemnot (»Wheezing«), also Problemen mit den Atemwegen in Verbindung gebracht, schreibt das Forschungsteam der University of Auckland, Neuseeland. Langfristig wollen die Forschenden herausfinden, ob die frühkindliche Anwendung von Paracetamol das Risiko für Asthma, Ekzeme, Heuschnupfen und auch neuronale Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS beeinflusst.

Jetzt veröffentlichten sie Daten einer prospektiven, randomisierten, klinischen Studie, die das Auftreten von zwei Erkrankungen im Babyalter untersucht hat – Bronchiolitis (eine Entzündung der Bronchiolen, also der tieferen Verästelungen der Atemwege) und Ekzeme (Dermatitis), also entzündlichen, nicht ansteckenden Entzündungen der Haut mit Juckreiz, Rötung, Schuppung und teilweise Nässen der betroffenen Stellen.

An der Studie nahmen 3908 Säuglinge in Neuseeland teil, die im ersten Jahr nach ihrer Geburt entweder nur Ibuprofen oder nur Paracetamol falls nötig bei Fieber oder Schmerzen erhalten sollten. Die Eltern erhielten Dosieranweisungen gemäß dem New Zealand Formulary for Children. In regelmäßigen Abständen wurden die Eltern nach Symptomen eines Ekzems und Atembeschwerden befragt. Auch wurden Verordnungen und Krankenhausberichte gecheckt. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal »The Lancet Child & Adolescent Health« veröffentlicht.

Keine Unterschiede bei Ekzemen und Bronchiolitis-Fällen

Innerhalb ihres ersten Lebensjahres traten bei 16 Prozent der Babys in der Paracetamol-Gruppe und bei 15 Prozent in der Ibuprofen-Gruppe Ekzeme auf. Zu einer Bronchiolitis kam es jeweils bei rund 5 Prozent. Die Unterschiede waren nicht signifikant. Schwere Ereignisse traten nur selten auf und waren nicht durch die Fieber- und Schmerzmittel verursacht.

»Unsere Studie hat ergeben, dass Paracetamol und Ibuprofen bei Kleinkindern unglaublich sicher anzuwenden sind«, sagt der leitende Forscher und Kinderarzt Professor Dr. Stuart Dalziel. Es handle sich um die erste randomisierte kontrollierte Studie, die als Goldstandard in der Forschung gilt, die sich mit dieser Frage befasst hat. »Diese Ergebnisse geben Eltern und medizinischem Fachpersonal großes Vertrauen, diese wichtigen Medikamente weiterhin zu verwenden.«

Die Kinder werden nun weiter beobachtet und im Alter von drei und sechs Jahren noch einmal auf Erkrankungen des atopischen Formenkreises sowie neuronaler Entwicklungsstörungen untersucht. »Wir wissen, dass zwei Drittel der Kinder, die im Alter von drei Jahren unter Atemnot leiden, bis zum Alter von sechs Jahren kein Asthma entwickeln«, sagt Dalziel. »Daher müssen wir bis zum Schulalter warten, um endgültig zu testen, ob Paracetamol im ersten Lebensjahr Asthma verursacht.« Gleiches gelte für die akkurate Diagnose von ADHS oder Autismus.

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