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Mutter und Kind impfen
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Optimaler Schutz vor Keuchhusten für Babys

Wenn schwangere Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel gegen Keuchhusten geimpft werden, schützt das ihre Kinder nach der Geburt, bis diese selbst gegen die Infektion geimpft werden können. Eine aktuelle Publikation zeigt das ideale Impfschema auf.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 08.01.2026  18:00 Uhr

Keuchhusten ist insbesondere bei Säuglingen keine harmlose Erkrankung. Anstelle der klassischen Symptome kommt es bei ihnen infolge einer Infektion mit dem Erreger Bordetella pertussis häufig zu Atemstillständen. Säuglinge haben zudem das höchste Risiko für schwerwiegende Komplikationen. Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) betreffen ein hoher Anteil aller Keuchhusten-bedingten Krankenhausaufenthalte und fast alle Todesfälle ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten.

Vor diesem Hintergrund ist es besorgniserregend, dass 2024 in Deutschland nicht nur die meisten Keuchhustenfälle seit Einführung der Meldepflicht 2013 verzeichnet wurden, sondern vor allem auch, dass Säuglinge unter einem Jahr mit fast 122 Fällen pro 100.000 Einwohner die am stärksten betroffene Bevölkerungsgruppe waren. Für 2025 sind laut Informationen der Berliner Charité ähnlich hohe Fallzahlen zu erwarten.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für reif geborene Babys eine dreimalige Impfung gegen Keuchhusten mit einem Kombinationsimpfstoff im Alter von zwei, vier und elf Monaten. Ab der zweiten Impfung verfügen die Kinder über einen eigenen Schutz.

Um bereits jüngere Neugeborene zu schützen, wird seit 2020 auch eine einmalige Keuchhusten-Impfung für alle Schwangeren zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels empfohlen. Der Hintergrund ist, dass Mütter ihre Antikörper über die Plazenta an das Baby weitergeben, was als Nestschutz bezeichnet wird. Wie wichtig insbesondere diese Impfung ist, zeigt eine Publikation eines internationalen Teams unter Beteiligung von Forschenden der Charité, die im Fachjournal »The Lancet Microbe« erschienen ist.

Antikörper im Blut und auf der Nasenschleimhaut

Im Rahmen der Phase-IV-Studie GaPs (Gambian Pertussis Study) wurden 343 schwangere Frauen im westafrikanischen Gambia entweder mit einem Keuchhusten- oder einem Tetanus-Impfstoff geimpft. Wie die Untersuchung der Säuglinge zeigte, waren mütterliche Antikörper gegen Keuchhusten anschließend nicht nur im Blut, sondern auch auf der Nasenschleimhaut der Kinder nachweisbar, wenn ihre Mütter die entsprechende Impfung erhalten hatten. Laut Professor Dr. Beate Kampmann, Direktorin des Instituts für Internationale Gesundheit an der Charité, war das ein überraschender Befund – der die Wirksamkeit der indirekten Impfung unterstreiche.

Bei einer Untergruppe von 160 Neugeborenen wurde zudem die Effektivität eines Ganzzell-Impfstoffs mit der eines azellulären Impfstoffs verglichen. Dabei zeigten die mit dem Ganzzell-Impfstoff geimpften Kinder eine stärkere Immunantwort als diejenigen, die den azellulären Impfstoff erhalten hatten. »Azelluläre Impfstoffe verursachen in der Regel weniger Nebenwirkungen, bieten aber meist einen kürzer anhaltenden Schutz. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch der Keuchhusten-Ganzzellimpfstoff länger schützt«, erklärt Kampmann.

In Europa wird seit 2005 der azelluläre Impfstoff verwendet, während die meisten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiterhin den Ganzzell-Impfstoff einsetzen. »Länder, die Ganzzell-Impfstoffe bei den Kindern verwenden, sollten unseren Ergebnissen zufolge dabei bleiben«, so Kampmann. »Entscheidend aber bleibt die Impfung von Schwangeren mit dem azellulären Impfstoff, unabhängig davon, welcher Impfstofftyp danach den Kindern gegeben wird. Beide Arten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90 Prozent aller Fälle verhindern.«

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