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Nachrichten

Datum 22.10.2001  00:00 Uhr

Zur PZ-Homepage Bayer kämpft um Ciprobay-Patentschutz
22.10. dpa. Nach dem Aufweichen von Patentrechten für das Anti-Milzbrand-Medikament Ciprobay in Kanada tritt Bayer ähnlichen Forderungen in den USA mit einer Zeitungskampagne entgegen. Der Pharmahersteller stocke die Tabletten-Produktion als Teil "des Kampfes gegen den Bioterrorismus" erheblich auf, erklärte die US-Tochter der Bayer AG "in einer Nachricht an das amerikanische Volk", die am Montag als Anzeige in den großen US-Zeitungen zu lesen war. Darüber hinaus versicherte die US-Tochter in einer Mitteilung, dass Bayer allen Ciprobay-Anforderungen der amerikanischen und der kanadischen Regierung nachgekommen sei. "Wir sagen weiterhin zu, dass wir auch in Zukunft jeglichem Notstandsbedarf der beiden nordamerikanischen Regierungen nachkommen werden", erklärte Wolfgang Plischke, der Präsident der nordamerikanischen Bayer-Pharma-Sparte. Kanada hat nach Bayer-Angaben 900.000 Tabletten mit dem Ciprobay-Wirkstoff bei einem Hersteller von Nachahmer-Produkten bestellt. Die Bayer AG kündigte darauf am Freitag Gespräche mit der kanadischen Regierung an, da sie ihre Patentrechte verletzt sehe. Darüber hinaus habe Bayer der kanadischen Regierung am Freitag 200.000 Tabletten zum Aufbau einer Notfallreserve geschenkt, ergänzte ein Bayer-Sprecher am Montag. Dies verdeutliche, dass Bayer das Medikament liefern könne.

Sozialverbände kritisieren geplantes Arznei-Sparpaket
22.10. dpa. Das von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante Arznei-Sparpaket stößt bei Sozial- und Patientenverbänden auf massive Bedenken. Die geplante Arznei-Auswahl durch den Apotheker werde Patienten deutlich verunsichern, sagte der Präsident des Sozialverbandes VdK, Walter Hirrlinger, der "Berliner Zeitung" (Montagsausgabe). Nach den Plänen von Schmidt soll der Arzt künftig nur den Wirkstoff verschreiben. Der Apotheker soll dann ein möglichst günstiges Mittel dieser Gruppe heraussuchen. Die Patienten seien ohnehin durch die täglich neuen Reformvorschläge verunsichert, meinte Hirrlinger. "Diese Verunsicherung wird noch beträchtlich steigen, wenn der Patient in der Apotheke zum ersten Mal nicht mehr das gewohnte Medikament erhält." Ähnlich äußerte sich der Präsident der Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Ekkehard Bahlo, in der Zeitung. Sowohl Hirrlinger als auch Bahlo bezweifelten, dass das Sparpaket die gesetzlichen Krankenkassen ausreichend entlasten werde. "Die Sparmaßnahmen werden das Finanzloch nur ansatzweise stopfen", sagte Hirrlinger. Nach Angaben der Zeitung drohte er mit einer Abstrafung der Regierungskoalition bei der Bundestagswahl 2002. Wer merke, dass sich die eigene gesundheitliche Situation nicht verbessere, "wird sein Kreuz bei der nächsten Wahl an anderer Stelle machen".

Über Herzinfarkt wird zu wenig informiert
22.10. dpa. Über das Risiko von Herzinfarkten muss nach Ansicht von Medizinern mehr informiert werden. "Die Gefahr dieser Volkskrankheit wird leider häufig unterschätzt", sagte Helmut Drexler, Leiter der Abteilung Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Der akute Herzinfarkt sei die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. "Allein in Deutschland erkranken jährlich 250.000 Menschen daran. Etwa 90.000 überleben es nicht." Ursache für den Infarkt sei meist Arterienverkalkung, sagte Drexler. Diese werde etwa durch Rauchen, Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung begünstigt. Weitere Faktoren seien ein erhöhter Cholesterinspiegel, hoher Blutdruck und Diabetes. "Das Risiko an einer Herzerkrankung zu sterben kann durch eine regelmäßige Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen deutlich vermindert werden", meinte Drexler. Zudem sei eine gesunde und fettarme Ernährung unerlässlich. Typisch für einen Herzinfarkt sind nach Angaben des Mediziners plötzlich auftretende, starke drückende oder brennende Schmerzen in der vorderen linken Brust. Diese kündigten sich häufig schon Wochen vor dem eigentlichen Anfall an. "Oft strahlen die Schmerzen in den linken Arm, den Oberbauch, den Rücken oder den Kiefer aus." Zusätzlich käme ein Beklemmungs- oder Angstgefühl hinzu. Weitere Symptome seien plötzliche schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder starker Schwindel. "Viele Menschen warten leider erst ab, ob es besser wird, bevor sie den Notarzt rufen", beklagte Drexler.

Kanada bricht Ciprobay-Patentschutz
19.10. dpa/PZ. Im Geschäft mit Anti-Milzbrand- Medikamenten soll jetzt erstmals auch ein Generika-Hersteller zum Zuge kommen. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer bestätigt am Freitag in Leverkusen, dass die kanadische Regierung 900 000 Tabletten mit dem Ciprobay-Wirkstoff bei einem Konkurrenten bestellt habe. Die Bayer AG wolle mit der kanadischen Regierung Gespräche aufnehmen, da sie Patentrechte verletzt sehe, sagte ein Sprecher. Eine Klage gegen die kanadischen Regierung sei denkbar. Das Patent für Ciprobay läuft in Kanada und den USA 2003 aus. Wie der Spiegel meldet, fordern auch us-amerikanische Politiker einen Bruch des Patentschutzes. Die Regierung lehnt dies allerdings bislang ab. Sie vertraue den Lieferzusagen der Leverkusener. Ciprobay ist das umsatzstärkste Bayer-Medikament.

Ausgabenanstieg gebremst
19.10. PZ. Im September ist der Zuwachs bei den Arzneimittelumsätzen deutlich gesunken. Die Steigerung lag nur noch bei 4,6 Prozent. Das geht aus aktuellen Zahlen von NDC Health hervor. Noch im Juli lagen sie bei 13,9 Prozent. Insgesamt wuchs der Markt in den ersten neun Monaten um 9,2 Prozent auf 22,8 Milliarden DM zu Herstellerabgabepreisen. Verantwortlich für diese nachlassende Dynamik sei nach Expertenmeinung die Arzneimittelzielvereinbarungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen. (ah)

Seltener Insulin für Diabetikerinnen
19.10. dpa. Frauen werden nach dem Ergebnis einer Studie schlechter mit Arzneien versorgt als Männer oder sogar falsch behandelt. Die Studie der Bremer Universität auf Basis der Daten von rund 1,4 Millionen Versicherten der Gmündner Ersatzkasse wurde am Donnerstagabend in Berlin im Beisein von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) skizziert. Danach bekommen Diabetikerinnen weniger Insulin verordnet als männliche Kranke. Auch nach einem Herzinfarkt liege die Sterblichkeit von Frauen deutlich höher, weil sie oft nicht ausreichend oder falsch therapiert würden. Der Bremer Pharmakologe Professor Dr. Gerd Glaeske kritisierte auch die zunehmende Hormonersatztherapie bei Frauen in den Wechseljahren. Die Hormonsubstitution sei ohnehin medizinisch umstritten. Zudem würden oft falsche Hormonkombinationen eingesetzt. Dies erhöhe etwa das Risiko für Brust- oder Gebärmutterkrebs. Auch Schmidt sah Handlungsbedarf bei der Versorgung von Frauen. Die Regierungskoalition wolle daher dafür eintreten, dass etwa die Mammographie auf Brustkrebs künftig qualitätsgesicherten Leitlinien folge.

Große Attacken mit Biowaffen höchst unwahrscheinlich
18.10. dpa. Trotz der Milzbrandfälle in den USA halten Experten eine großflächige Terror-Attacke mit Biowaffen für unwahrscheinlich. "Übertriebene Panikmache ist sicherlich unangemessen", meint der ABC-Waffen-Experte Oliver Thränert vom Deutschen Institut für Politik und Sicherheit Berlin. "Dennoch wären verbesserte Schutzmaßnahmen in Deutschland sinnvoll." Bislang sei es allerdings - im Gegensatz zu Bombenangriffen und Flugzeugabstürzen - noch keiner Terrorgruppe gelungen, viele Menschen gleichzeitig mit Biowaffen zu töten. Nach dem ersten Milzbrand-Toten reagieren die USA rasch auf jeden Verdacht: Die Fälle werden meist bereits erkannt, wenn die Milzbrandsporen auch nur in der Nase oder auf der Haut sitzen. Die Menschen erhalten Antibiotika, die einen Ausbruch der Krankheit verhindern. Diese Antibiotika gibt es auch in Deutschland, wo sich bislang jedoch jede vermeintliche Milzbrandattacke als Fehlalarm herausgestellt hat. In der Vergangenheit habe es nur wenige Versuche von Terroristen gegeben, biologische Kampfstoffe einzusetzen, erläutert Thränert. So habe die japanische Aum-Sekte Milzbrand vom Dach eines Gebäudes und über den Auspuff eines durch Tokio fahrenden Lastwagens verstreut. Es sei jedoch niemand zu Schaden gekommen - möglicherweise, weil es sich um abgeschwächte Stämme zur Herstellung von Milzbrand-Impfstoff gehandelt habe. Beunruhigend sei, dass die Aktivitäten zunächst unentdeckt blieben. Mit Giftgas-Anschlägen in der U-Bahn hatte die Sekte dagegen 1994 und 1995 insgesamt 19 Menschen getötet und Tausende verletzt.

Kleinkinder-Spielsachen sind zu laut
18.10. dpa. Ohrenärzte haben sich für eine akustische Abrüstung im Kinderzimmer ausgesprochen. Viele mit Akustik-Effekten ausgestatteten Spielsachen seien einfach zu laut für das empfindliche Gehör von Kleinkindern, warnte der Düsseldorfer Hals-Nasen-Ohren-Arzt Michael Strahl zum Auftakt einer Tagung der Union der Hörgeräte-Akustiker am Donnerstag in Nürnberg. Strahl ist zugleich nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Halsen-Nasen-Ohrenärzte (HNO). "Die Geräusche einer Quietschente am Ohr eines Babys können beim Kleinkind einen ernsthaften Hörschaden verursachen", sagte der Mediziner. Die Geräuscheffekte einiger Kinderspielzeuge seien lauter als ein Sturmgewehr der Bundeswehr, fügte er hinzu. Als Konsequenz forderte Stahl Grenzwerte für Kinderspielzeug-Geräusche. Zusätzlich sei ein Umdenken der Bevölkerung in Sachen Gehörschutz bei Kindern erforderlich. Nach Angaben der Fördergemeinschaft Gutes Hören in Marburg gibt es in Deutschland rund 500.000 behandlungsbedürftige Hörstörungen bei Kindern. Experten gehen davon aus, dass künftig rund zehn Prozent der Jugendlichen lärmbedingte Hörstörungen aufweisen werden. Ursachen seien neben lauter Musik auch laute Knalle etwa von Spielzeugpistolen oder Silvesterknallern. Es gebe aber auch angeborene Hörschädigungen, betonte der Dachverband bei dem Kongress.

Ministerium will sicheren E-Commerce mit Arzneimitteln
18.10. PZ. Das Bundesgesundheitsministerium hält weiterhin an seinen Plänen fest, Internet-Apotheken zuzulassen. "Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will den sicheren E-Commerce mit Arzneimitteln", erklärte Dr. Gerd Schorn auf einer BPI-Veranstaltung in Mainz. Rosinenpickerei lehne sie aber strikt ab. Schorn leitet im Bundesgesundheitsministerium eine Arbeitsgruppe, die die Ziele des E-Commerce mit Arzneimitteln klären soll. Oberste Priorität bei den Überlegungen habe der Verbraucherschutz. Die Menschen, die im Netz Arzneimittel bestellen wollten, müssten vor den unseriösen Anbietern geschützt werden, sagt Schorn. Zudem dürfe die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln durch öffentliche Apotheken nicht gefährdet werden. Der E-Commerce mit Arzneimitteln könne die klassische Distribution über öffentliche Apotheken ergänzen, so Schorn. Wenn es für beide Distributionsformen dieselben Rahmenbedingungen gebe - also Vollsortiment, gleiche Qualitätsstandards und behördliche Überwachung - dann könne die öffentliche Apotheke im Wettbewerb problemlos bestehen. Da das Ministerium eine nationale Lösung anstrebe, gebe es auch keine Wettbewerbsverzerrungen durch unterschiedliche Preisbildungssysteme. Schorn ließ keinen Zweifel daran, dass er die Zulassung von Internet-Apotheken für unausweichlich hält: "Viele Menschen wollen Arzneimittel über das Netz bestellen. Das können wir nicht ignorieren." Es gebe zahlreiche Fälle, in denen beim Kauf von Arzneimitteln die direkte Beratung durch den Apotheker nicht notwendig sei, etwa bei chronisch Kranken oder beim Kauf eines OTC-Produktes, dass bereits häufiger eingenommen wurde. (dr)

Apotheken zur Mithilfe aufgefordert
17.10. dpa. Auch Apotheker und Ärzte sollen bei der Abwehr möglicher terroristischer Anschläge mit Krankheitserregern mithelfen. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) teilte am Mittwoch in Berlin mit, sie habe in einem Schreiben an die Apothekerkammern um erhöhtes Augenmerk gebeten, "ob irgendwelche gefährlichen Materialien eingekauft werden". Auch die Ärzte könnten mit erhöhter Sensibilität zur Vorsorge beitragen. Mit Blick auf die sich häufenden Drohbriefe mit angeblichen Milzbrand-Erregern hat das Ministerium das Robert-Koch-Institut inzwischen darum gebeten, unmittelbar betroffene Mitarbeiter bei Poststellen der Bundesbehörden über Gefahren und Schutzmaßnahmen aufzuklären.

Die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig
17.10. dpa. Die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist nach Angaben des Bremer Mediziners Professor Gerald Klose zu dick. Die Folgen, "gut getarnt als Diabetes, Bluthochdruck und schließlich Herzinfarkt" füllten Praxen und Kliniken. "Adipositas ist das Aschenputtel der Risikofaktoren und gleichzeitig eine Zeitbombe, die unser Gesundheitswesen mit rund 40 Milliarden Mark (20,5 Mrd. Euro) belastet", sagte Klose vor Beginn der Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft am Mittwoch in Bremen. Fettleibigkeit sei eine ernst zu nehmende Krankheit. Sie auf ein rein kosmetisches Problem zu reduzieren oder in die Ecke von Lifestyle und Fitness zu drängen, sei zu einfach. Der Mediziner vom Zentralkrankenhaus links der Weser ist Präsident der Tagung, die von diesem Donnerstag bis Samstag in Bremen stattfindet. Zu dem Kongress haben sich mehr als 800 Wissenschaftler angemeldet. Themen sind unter anderem neue molekularbiologische Erkenntnisse zur Regulierung von Hunger und Sättigung sowie neue Wege, die Gewichtsabnahme zu unterstützen.

Bayer verdreifacht Ciprobay-Produktion
17.10. dpa. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer verdreifacht nach den Milzbrand-Infektionen die Produktion von Ciprobay in den USA. Der Ausstoß der entsprechenden Anlagen in den USA werde durch Zusatzschichten in den nächsten drei Monaten auf 200 Millionen Tabletten erhöht, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Leverkusen. In einer normalen Dreimonatsperiode werden nach Unternehmensangaben aus den USA rund 60 Millionen Tabletten von diesem Breitspektrum-Antibiotikum hergestellt. Bayer arbeite mit der US-Regierung zusammen, um Bestellungen zeitgerecht ausliefern zu können. Ciprobay ist mit rund 1,8 Milliarden Euro (3,5 Mrd. DM) Umsatz im Jahr 2000 das stärkste Pharmaprodukt von Bayer. Das bereits seit 14 Jahren unter anderem bei Harnwegsinfektionen angewandte Medikament erhielt im vergangenen Jahr in den USA auch die Zulassung als Mittel gegen Lungenmilzbrand. Der Ciprobay-Wirkstoff wird zentral an einem nicht genannten Ort in Deutschland produziert. Durch das Hinzunehmen einer bestehenden Anlage will Bayer die Wirkstoff-Produktion um 25 Prozent hochschrauben. In Deutschland ist die Nachfrage nach Ciprobay nach Bayer-Angaben nicht deutlich gestiegen. Das Anlegen privater Vorräte oder eine vorbeugende Einnahme seien nicht sinnvoll, betonte ein Sprecher. Die US-Regierung will ihre Antibiotika-Lagerbestände aufstocken. Insgesamt sollen Medikamente für die Behandlung von 12 Millionen Menschen vorrätig sein. Zurzeit wäre nur die Behandlung von zwei Millionen Menschen sichergestellt. Zur PZ-Homepage

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