| Paulina Kamm |
| 22.12.2025 09:30 Uhr |
ZB MED bemüht sich um die Souveränität der europäischen Forschungslandschaft abseits von PubMed. Ein weiterer Antrag auf Förderung wurde gestellt. / © Imago/Westlight
Die Relevanz einer von den USA unabhängigen Forschungsdatenbank zeigte sich bereits im September: Eine politisch aufgeheizte Lage, die weitreichende Budgetkürzungen nach sich zieht, und abweichende oder verschwindende Suchbegriffe auf PubMed. Zusätzlich kam es im März 2025 zu einem mehrstündigen Ausfall der von der US-amerikanischen National Library of Medicine betriebenen Datenbank PubMed.
Medienberichten zufolge wurden mittlerweile 1.300 Mitarbeitende bei der Gesundheitsbehörde (CDC), ungefähr 1.000 bei der Arzneimittelbehörde (FDA) und mehr als 1.200 beim Institut für Gesundheitsforschung (NIH) entlassen. Während sich Deutschland über die Abwanderung verschiedener Expertinnen und Experten freut, schlägt das ZB MED Alarm.
Die europäische Abhängigkeit von der US-Datenbank PubMed sei besorgniserregend und bisher alternativlos. »Vergleichbare frei verfügbare Plattformen auf deutscher oder europäischer Ebene existieren bislang nicht«, bestätigt eine Anfrage der Grünen an den Bundestag. Die Projektleitungen von OLSPub versuchen dem entgegenzuwirken: »Wir sehen uns in der Pflicht, das Thema europäische Forschungssouveränität maßgeblich voranzutreiben. Die Dringlichkeit motiviert uns, auch Lösungen abseits der üblichen Förderverfahren zu suchen«, so Miriam Albers. Nachdem der erste Förderungsantrag durch die DFG abgelehnt worden war, wurden die Bereiche der Governance-Struktur und der Einbindung internationaler Partnerinnen und Partner überarbeitet.
Um kurzfristig die aktuelle Forschungssouveränität zu stärken, hat die DFG ein Förderprogramm zum Sichern gefährdeter Datensätze aus ausländischen Clouds und zur Datenresilienz ins Leben gerufen. Das ZB MED-Team wartet nun auf die Bewilligung eines überarbeiteten Antrags in der aktuellen DFG-Förderlinie zu Datensouveränität und Cloud-Infrastrukturen, die noch dieses Jahr entschieden werden soll. »Mit dem neuen Antrag verfolgen wir konsequent unser Ziel, Offenheit, Transparenz und digitale Souveränität in der wissenschaftlichen Informationsversorgung zu stärken«, sagt Professor Konrad Förstner, ebenfalls Projektleiter von OLSPub.
Die Grünen sehen politischen Handlungsbedarf: »Europäische Forschungsinitiativen müssen gezielt gefördert werden, um technologische Exzellenz und Unabhängigkeit zu sichern«, heißt es in der Kleinen Anfrage an den Bundestag.
Gedeckt wären die Kosten selbst im Falle einer Bewilligung laut ZB MED allerdings nicht. Durch Fundraising und Spenden aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft soll der Weg zu einer offenen, unabhängigen europäischen Forschungslandschaft geebnet werden. »Mit unserem Engagement werden wir nicht nur Daten sichern, sondern auch die uns vertraute Infrastruktur für Wissenstransfer, Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen und Verfügbarkeit von validen wissenschaftlichen Informationen langfristig stärken«, so der wissenschaftliche Direktor von ZB MED, Professor Dietrich Rebholz-Schuhmann.
Technologische Unabhängigkeit verstehen die Grünen in Verbindung mit Offenheit, Transparenz und Nachhaltigkeit. Ziel sei die Innovationskraft der Forschung zu stärken und die Grundrechte zu schützen.