| Daniela Hüttemann |
| 27.03.2025 12:00 Uhr |
Zusätzliche Flüssigkeit wie Wasser oder Tee brauchen Kinder vor dem Beikostalter nicht. Tee sollte immer ungesüßt gegeben und das Fläschchen nicht zum Dauernuckeln überlassen werden. / © Getty Images/dima_sidelnikov
Von Fencheltee für Kinder unter vier Jahren rät die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) seit 2023 explizit ab und empfiehlt, ihn bei Kindern unter elf Jahren sowie bei Schwangeren und Stillenden nur sehr zurückhaltend einzusetzen. Hintergrund ist das in Fenchel enthaltende Phenylpropanoid Estragol. Dieses wirkt im Tierversuch dosisabhängig karzinogen. Daher empfiehlt die EMA der Gesamtbevölkerung, die Aufnahme so niedrig wie möglich zu halten. Der Estragol-Gehalt kann je nach Sorte, Herkunft und Anbaubedingungen schwanken. Obwohl das Problem bereits seit mehr als 20 Jahren bekannt ist, gibt es immer noch keinen gesetzlichen Grenzwert für Teezubereitungen.
Ähnliches gilt für Anissamen, die die EMA sogar erst ab zwölf empfiehlt. Beide Arzneipflanzen werden jedoch traditionell in Deutschland seit Jahrhunderten auch bei jüngeren Kindern eingesetzt, ohne dass es bislang zu auffälligen Nebenwirkungen kam. Allerdings liegt auch keine wissenschaftliche Evidenz vor. Es gibt verschiedene Kinder-Arzneitees, die Anis- und Fenchelsamen enthalten, oft auch in Kombination mit Kümmelsamen.
Nun hat das Verbraucherschutzmagazin »Ökotest« neun Kräutertees speziell für Babys (alle biozertifiziert) analysiert und geprüft, inwiefern die seit zwei Jahren gültigen EMA-Empfehlungen zur Reduktion der Estragol-Aufnahme von den Herstellern berücksichtigt wurden. Es wurde der Estragol-Gehalt im Teeaufguss untersucht, nach Zubereitung gemäß Herstellerangaben mit der längst möglichen Ziehdauer und geringsten angegebenen Wassermenge. Gerechnet wurde mit einem acht Kilogramm schweren Kind, das 100 Milliliter Tee am Tag trinkt.
Drei Produkte fielen aufgrund eines stark erhöhten Estragol-Gehalts durch, darunter auch der »Sidroga Bio Kinder-Fencheltee«, der auf dem letzten Platz landete. Er enthält zu 80 Prozent Süßen Fenchel und außerdem Anis, die nach Packungsangaben aus EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft stammen. Zudem fand das Labor in dem Produkt trotz Biosiegel zwei Pestizide.
»Sehr gut« fiel dagegen ein reiner »Baby Fenchel Tee« von Alnatura aus, der nur Spuren von Estragol und keine Pestizidrückstände enthielt. Hier stammen die Fenchelsamen aus Ägypten und das Produkt trägt ein Demeter-Siegel. In zwei anderen Produkten stellten die Tester erhöhte Pyrrolizidinalkaloid-Werte fest.
»Dass trotz der EMA-Empfehlung nach wie vor so viele fenchelhaltige Kräutertees für Babys verkauft werden, hat uns irritiert«, schreiben die Verbraucherschützer und halten die Einführung eines Grenzwerts für sinnvoll. Wie Ökotest zudem berichtet, prüft die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) derzeit die Sicherheit fenchelhaltiger Lebensmittel inklusive Tees, Kräutern und Gewürzen. Mit einer finalen Stellungnahme sei erst im September zu rechnen.