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Darmkrebs
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Nutzen der Früherkennung erneut gezeigt

Ab einem Alter von 50 Jahren sollte regelmäßig ein Darmkrebsscreening durchgeführt werden. Eine große schwedische Studie zeigt nun erneut, dass damit tatsächlich häufiger frühe Tumore gefunden werden.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 10.04.2026  18:00 Uhr
Nutzen der Früherkennung erneut gezeigt

Schwedische Forschende um Dr. Markus Westerberg vom Karolinska Institut und der Universität Uppsala untersuchten im Rahmen der SCREESCO-Studie, ob eine gezielte Einladung zum Darmkrebsscreening eine wirksame Methode zur Früherkennung von Darmkrebs ist. Eine erste Zwischenanalyse der bis 2030 angelegten Studie wurde nun im Fachmagazin »Nature Medicine« veröffentlicht. Sie bestätigt, dass durch ein Screening Tumore früher entdeckt werden.

Eingeschlossen wurden Personen aus 18 schwedischen Regionen, in denen es zuvor kein organisiertes Darmkrebsscreening gab. Zwischen 2014 und 2018 wurden 278.051 Personen, die gerade 60 Jahre alt waren, in drei Gruppen randomisiert:

  • Einladung zu einer einmaligen Koloskopie (31.140 Teilnehmer)
  • Einladung zu zwei Screeningrunden per Stuhltest innerhalb von zwei Jahren (60.300 Teilnehmer)
  • Kontrollgruppe: keine Einladung, nur übliche Versorgung (186.840 Teilnehmer)

»Übliche Versorgung« bezeichnet hier die reguläre medizinische Versorgung, das heißt, Untersuchungen erfolgten nur bei Symptomen oder aufgrund individueller Risikokonstellationen.

Wurde im Stuhltest eine Auffälligkeit gefunden, erfolgte eine Abklärung per Koloskopie. Verdächtige Adenome, also gutartige Vorstufen von Darmkrebs, wurden entfernt.

Zentrale Fragestellungen waren, ob das Screening zu einer häufigeren und früheren Diagnose von kolorektalem Krebs in frühen, auf den Darm beschränkten Stadien (I–II) führt und welche unerwünschten Ereignisse damit verbunden sind. Die Nachbeobachtungszeit betrug median 4,8 Jahre.

Screening entdeckt Darmkrebs früher

Die Auswertung zeigt, dass sowohl die einmalige Koloskopie als auch das Stuhltestscreening im Vergleich zur üblichen Versorgung mehr Darmkrebserkrankungen in frühen Stadien aufdeckten. Dies traf insbesondere auf das erste Jahr nach Einladung zum Screening zu.

Die kumulative Darmkrebsinzidenz in der Koloskopie-Gruppe betrug 0,69 Prozent gegenüber 0,72 Prozent im Kontrollarm. In der Stuhltestgruppe erkrankten 0,61 Prozent an Darmkrebs gegenüber 0,73 Prozent in der Kontrollgruppe.

Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass beide Arten der Vorsorge im Vergleich zur üblichen Versorgung zu einer geringeren beobachteten Darmkrebsinzidenz beitragen. Dies ist insbesondere auf eine Verschiebung der Diagnosen in frühere Tumorstadien zurückzuführen.

Bei der Entdeckung von Krebs im Frühstadium war die Koloskopie klar im Vorteil: Gegenüber der Kontrollgruppe wurden 38 Prozent mehr Tumore in frühen Stadien entdeckt, mit dem Stuhltest immerhin noch 19 Prozent mehr als in der Kontrollgruppe. Krebs in späten Stadien (III-IV), also mit Lymphknotenbefall und Metastasen, trat deutlich seltener auf.

Somit zeigen die Daten, dass ein gezieltes Screening schwere Krebserkrankungen teilweise verhindern kann, indem Tumore früh entdeckt und entfernt werden. Sein Hauptnutzen ist die frühere Diagnosestellung.

Im Vergleich untereinander zeigten sich beide Screeningmethoden als ähnlich zuverlässig. Beide Verfahren führten zu mehr frühen Darmkrebsdiagnosen. Dabei entdeckte die Koloskopie im Vergleich zum Stuhltest sechs zusätzliche Frühkarzinome pro 100.000 Personenjahre.

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