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Süddeutsche Zeitung 
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Noweda-Chef erwartet weiteres Apothekensterben 

Noweda-Chef Michael Kuck sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass er auch in Zukunft mit einem weiteren Rückgang der Apothekenzahlen rechne. Es sei jedoch ein Irrtum, bei den Apotheken zu sparen. 
AutorKontaktPZ
Datum 17.02.2026  16:24 Uhr

Michael Kuck ist Vorstandsvorsitzender des Pharmagroßhändlers Noweda und hat sich in der Süddeutschen Zeitung (SZ) ausführlich zu den Problemen der deutschen Apotheken und der allgemeinen Arzneimittelversorgung geäußert. 

Gegenüber der SZ erklärt Kuck, dass sein Unternehmen inzwischen die prekäre wirtschaftliche Situation vieler Apotheken zu spüren bekomme. Es käme beispielsweise häufiger vor, dass Apotheken ihre Rechnungen nicht bezahlen können. Doch es sei ein Irrglaube, dass man bei den Apotheken sparen könne, da nur etwa 2 Prozent der Ausgaben der Krankenkassen auf diese entfielen. »Einsparungen bei Apotheken werden das Gesundheitswesen nicht retten«, sagte der Noweda-Chef und formulierte eine Warnung an die Politik: »Die Warteschlange wird immer länger, wenn weniger Apotheken die gleiche Masse versorgen müssen.«

Michael Kuck warf den in den Niederlanden ansässigen Versandhändlern »Rosinenpickerei« vor, da sie zwar die deutschen Apothekenkunden beliefern, aber nicht den gleichen gesetzlich vorgeschriebenen Versorgungsauftrag erfüllen. Und der Noweda-Chef sah im SZ-Interview noch ein weiteres Problem: »Stellen Sie sich vor, Europa wird von Russland angegriffen. Glauben Sie, dass im Kriegsfall die Niederlande den dort ansässigen Versendern erlauben, Medikamente zu versenden, wenn es im eigenen Land nicht genug davon gibt?« Das dezentralisierte deutsche System mit Apotheken und Großhändlern erhöhe daher die Resilienz der Bundesrepublik. 

Glücksritter gefährden die Arzneimittelversorgung 

Der Noweda-Chef klagte auch über die Vergütungsstruktur. So erhielten die Großhändler einen Festbetrag von 73 Cent pro Rx-Packung und maximal 3,15 Prozent des Abgabepreises des Pharmaunternehmens. Da dieser Betrag gedeckelt sei, komme es aber gerade bei teuren Medikamenten zu Problemen. »Die lagern wir ein, die müssen wir oft kühlen, brauchen also Kühlhäuser, und den Einkauf finanzieren wir vor«, sagt Kuck. »Solche Hochpreiser rechnen sich für uns oft nicht.«

In diesem Zusammenhang kritisierte Kuck auch Händler, die nur die lukrativen Segmente des Marktes bedienen: »Wir lassen es zu, dass Glücksritter unsere gute Infrastruktur für die Arzneimittelversorgung zerstören.«

Gegenüber der SZ äußerte sich der Noweda Chef auch zu den Plänen seines Unternehmens. So wolle man das Angebot von IhreApotheken.de ausbauen und teste in verschiedenen Städten E-Botendienste für öffentliche Apotheken. Außerdem kooperiere man jetzt mit der Hautarzt-App Dermanostic. Für die unterschiedlichen Leistungspakete zahlen Apotheken monatlich zwischen 15 und 100 Euro. »Apotheken müssen mit der Zeit gehen und mehr bieten, um Kunden zu binden«, mahnte Michael Kuck. 

Der SZ-Artikel endet pessimistisch. Der Noweda-Chef geht davon aus, dass die Zahl der Apotheken in den kommenden Jahren weiter sinken wird. Viele Apothekerinnen und Apotheker seien über 60 und die  wirtschaftliche Lage mache es schwer, Nachfolger zu finden. Die Politik beschleunige den Rückgang noch. »Der Frust in der Apothekerschaft ist groß«, so Michael Kuck. 

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