Novo Nordisk und die Gesundheitsplattform Hims & Hers haben sich außergerichtlich geeinigt und wollen nun kooperieren. / © Imago Images / Ritzau Scanpix
Der Patentstreit zwischen dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk und der US-Gesundheitsplattform Hims & Hers Health soll acht Monate angedauert haben, bis die beiden Parteien sich nun einig wurden. Auslöser für den Streit war Medienberichten zufolge die Ausnutzung einer befristeten gesetzlichen Erleichterung, um der zeitweisen Semaglutid-Knappheit entgegenzuwirken. Novo Nordisk ist Hersteller des Abnehmpräparats Wegovy und des Diabetesmittels Ozempic, die den Wirkstoff enthalten.
Das sogenannte Compounding-Privileg erlaubte US-Unternehmen vorübergehend, patentgeschützte Wirkstoffe nachzuahmen – aber eben nur so lange, wie der Lieferengpass laut der US-Arzneimittelbehörde FDA besteht. Diese Ausnahmegenehmigung lief wieder aus. Im Februar vergangenen Jahres versuchte die Telemedizin-Plattform, über »personalisierte Dosierungen« weiterhin die Semaglutid-Kopien zu verkaufen. Novo Nordisk warf dem Unternehmen vor, den Wirkstoff Semaglutid unrechtmäßig zu nutzen, und klagte.
Novo Nordisk entschied sich nun doch gegen die Fortführung des Rechtsstreits – allerdings unter einer Bedingung: Ihre Präparate Ozempic und Wegovy werden ab Ende März in verschiedenen Applikationsformen auf der Plattform von Hims & Hers angeboten. Die Plattform selbst stellt keine GLP-1-Produkte mehr her. Im Rahmen der Einigung stoppte die Plattform den Berichten zufolge nun auch die Werbung für Abnehmprodukte, die nicht von Novo Nordisk produziert wurden.
Die Gesundheitsplattform habe sich durch die Kooperation als globaler Marktführer für patentierte GLP-1-Therapien positioniert. Doch das Vertrauen in die Plattform bröckelt: Die Reputation habe durch das Überziehen des Compounding-Privilegs gelitten. Der dänische Pharmakonzern behielt sich deshalb die Möglichkeit vor, die Klage wieder aufzunehmen.
Die Plattform »Hims« hat den Berichten zufolge in der Vergangenheit bereits die Aufmerksamkeit der FDA auf sich gezogen. Grund hierfür seien »illegale Nachahmermedikamente«, darunter auch die Semaglutid-Kopie »49-Dollar-Abnehmpille«, die laut FDA nicht den üblichen Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfungen unterzogen wurden. Das Department of Health and Human Services bat das Justizministerium im Februar um eine strafrechtliche Untersuchung im Rahmen des Federal Food, Drug and Cosmetic Act. Auch die US-Börsenaufsicht habe die Plattform im Visier.