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»Fokussierung 2025«
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Noventi schließt Sanierung ab

Die Noventi hat ihr Sanierungsprogramm »Fokussierung 2025« offiziell abgeschlossen. Der Apothekendienstleister hat nach einer tiefen Krise ab 2022 den wirtschaftlichen Turnaround geschafft und schreibt wieder schwarze Zahlen. Jetzt soll weiter in die IT investiert werden.
AutorAlexander Müller
Datum 10.02.2026  12:04 Uhr

Der große Knall bei Noventi erfolgte im Herbst 2021: CEO Hermann Sommer und Finanzvorstand Victor Castro mussten das Unternehmen verlassen, für sie übernahmen Mark Böhm und Frank Steimel an der Spitze.

Anfang 2022 verordnete sich die Noventi ein straffes Sanierungsprogramm. Ein umfassender Personalabbau, Konzentration auf das Kerngeschäft der Rezeptabrechnung und eine überfällige Konsolidierung bei den Warenwirtschaftssystemen zählten zu den Maßnahmen. Zudem wurden verschiedene Beteiligungen aufgelöst. Die Verlängerung des Konsortialkredits hing seinerzeit auch an einer Kapitalzufuhr in Höhe von 20 Millionen Euro durch den Trägerverein FSA.

Bei den Aufräumarbeiten kam zu Tage, dass frühere Bilanzen offenbar durch aktivierte Eigenleistungen im Bereich selbstentwickelter Software unverhältnismäßig aufgebessert wurden. Unter anderem die Korrektur hatte zur Folge, dass für das Jahr 2022 ein Verlust von 133 Millionen Euro zu Buche schlug. Planmäßig wurde 2023 dann noch einmal ein Minus von 11 Millionen Euro eingefahren. Noventi sah sich aber hier schon auf Kurs, das Management sprach von übertroffenen Sanierungszielen.

Für 2024 wurde dann ein Jahresüberschuss von 6,6 Millionen Euro gemeldet. Die Personalkosten wurden laut Bilanz auf 91 Millionen Euro gesenkt, die Softwarelinien Pharmasoft, Infopharm und Jump zwischenzeitlich eingestellt.

Maßnahmen zeigen Wirkung

Laut Noventi konnte das Zusammenspiel der getroffenen Maßnahmen »das operative Ergebnis im positiven Bereich stabilisieren«, was »eine maßgebliche Bedingung für das erfolgreiche Ende der offiziellen Sanierung« gewesen sei.

Ende 2025 konnte Noventi mit dem Bankenkonsortium auch einen neuen Konsortialkredit unter Führung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) aushandeln. »Auch das unterstreicht den vollen Rückhalt und das langfristige Vertrauen in das Unternehmen«, teilt das Unternehmen mit.

Finanzvorstand Frank Steimel: »Nach drei Jahren konsequenter Erneuerung und Sanierung blicken wir heute stolz auf eine solide Finanzstruktur. Wir haben unser Versprechen gehalten und erfolgreich die ›Fokussierung 2025‹ abgeschlossen. Besonders möchte ich allen unseren Refinanzierungspartnern für ihre Begleitung in den vergangenen drei Jahren danken.«

Noventi will in IT investieren

CEO Mark Böhm dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kundinnen und Kunden, den Verbänden sowie dem FSA für »ihr Engagement, ihre Loyalität und ihre Willenskraft«. Jetzt müsse man aber »nach vorne blicken«, dafür investiere die Noventi weiter in ihre Produkte.

Noventi soll in den kommenden Jahren weiter restrukturiert werden. Investitionen soll es vor allem in die Stabilisierung und Modernisierung der IT-Strukturen und IT-Entwicklung geben. Relativ überraschend hat zum Jahreswechsel IT-Vorstand Lars Polap die Noventi nach nur 15 Monaten schon wieder verlassen. Erklärtes Ziel des Dienstleisters ist es heute, nach der Abrechnung auch im Bereich Warenwirtschaft sowie Branchensoftware Qualitätsführer zu werden.

Laut Noventi-Aufsichtsratschef Holger Wessling steht das Unternehmen jetzt »wieder auf einer belastbaren und verlässlichen Basis«. Die notwendigen Veränderungen seien von allen umgesetzt worden. So habe man den »Weg zu einem profitablen und zukunftsfähigen Unternehmen geebnet«. Sein Vize Andreas Buck, Vorsitzender des Eigentümervereins FSA, bezeichnete die vergangenen drei Jahre der Sanierung als »Kraftakt, den wir zusammen gestemmt haben«.

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