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Interview
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»Nichts zu sagen und zu tun ist die schlechteste Option!«

Professor Dr. Barbara Schneider, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiterin des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro), erklärt im Interview mit der PZ, wie das Apothekenteam Suizidalität erkennen und darauf reagieren kann.
AutorNicole Schuster
Datum 12.04.2026  08:00 Uhr

PZ: Bei welchen Arzneimitteln und Arzneimittelgruppen sind Suizidgedanken als Nebenwirkung besonders relevant?

Schneider: Suizidgedanken sind als mögliche Nebenwirkung vor allem bei Arzneimitteln relevant, die direkt oder indirekt in Neurotransmittersysteme eingreifen oder die emotionale Regulation beeinflussen. Besonders häufig können sie bei Antidepressiva, vor allem zu Therapiebeginn oder bei Dosisänderungen, auftreten. Das Risiko besteht vor allem bei Kindern und jüngeren Erwachsenen. Auch Antiepileptika stehen seit Jahren im Fokus. Ähnliches gilt für einige Medikamente gegen ADHS oder Glucocorticoide.

PZ: Welche Rolle spielen dabei Begleiterkrankungen?

Schneider: Depressionen und andere psychische Erkrankungen erhöhen das Risiko für suizidale Gedanken unabhängig von der Pharmakotherapie. Kommt dann ein Wirkstoff hinzu, der die Stimmung, den Schlaf oder die Impulskontrolle beeinflusst, kann sich das Risiko verstärken. Auch einige körperliche Erkrankungen und chronische Schmerzen spielen eine Rolle, denn sie können mit Hoffnungslosigkeit und sozialem Rückzug einhergehen.

PZ: Wie kann man in der Apotheke die mögliche Nebenwirkung Suizidalität ansprechen, ohne Angst zu machen?

Schneider: Bewährt haben sich offene, nicht wertende Formulierungen. Zum Beispiel: »Bei diesem Medikament berichten manche Menschen über Niedergeschlagenheit, negative Gedanken oder Stimmungsschwankungen. Falls Ihnen so etwas auffällt, sprechen Sie bitte darüber.« Es sollte signalisiert werden, dass es Hilfe gibt und solche Gedanken kein persönliches Versagen sind, sondern eine mögliche Arzneimittelwirkung.

PZ: Was sind mögliche Warnsignale?

Schneider: Aufmerksam sollte das Apothekenteam werden, wenn sich das Verhalten einer bekannten Person verändert. Dazu gehört auch, wenn jemand beginnt, persönliche Dinge zu verschenken, über ein Testament spricht oder »reinen Tisch« machen will. Ebenso kann es verdächtig sein, wenn das Suizidrisiko erhöhende Medikamente von verschiedenen Ärzten bezogen werden, möglicherweise mit dem Ziel, diese zu sammeln.

PZ: Wie sollte das Apothekenteam reagieren, wenn es Suizidalität vermutet?

Schneider: Den Verdacht ernst nehmen, nicht werten und in vertraulicher Atmosphäre den Patienten zur Seite nehmen, sind hier gute Handlungsmaximen. Es stimmt nicht, dass das Ansprechen von Suizidgedanken diese erst hervorruft. Im Gegenteil: Offenes Reden entlastet und kann lebensrettend sein. Suizidgedanken sollten dabei weder bagatellisiert noch dramatisiert werden.

Wichtig ist, dem Patienten zu signalisieren, dass er nicht allein und Hilfe möglich ist. Das Apothekenteam sollte zur ärztlichen Abklärung raten und je nach Situation auch aktiv unterstützen, etwa durch die Empfehlung, noch am selben Tag den Arzt zu kontaktieren. Auch der Hinweis auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst und Notfallnummern können hilfreich sein. Bei akuter Selbstgefährdung kann das Apothekenteam den Rettungsdienst informieren. Das NaSPro stellt für weitere Tipps den Gesprächsleitfaden »Suizidale Menschen in der Apotheke« zur Verfügung.

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