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Studie mit Mäusen
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Neues Target zur Gewichtsreduktion entdeckt

Die Aktivierung des Neurokinin-2-Rezeptors (NK2R) ging in einer Studie mit Mäusen mit erhöhtem Kalorienverbrauch und vermindertem Appetit einher, ohne dabei Übelkeit auszulösen. Möglicherweise könnten NK2R-Agonisten zukünftig eine verträglichere Alternative zu Inkretinmimetika sein.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 03.12.2024  18:00 Uhr

Allein in Deutschland ist fast ein Fünftel der Bevölkerung von Adipositas betroffen. Arzneimittel zum Abnehmen wie Inkretinmimetika sind daher sehr gefragt. Sie reduzieren Appetit, können aber mit gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einhergehen – ein häufiger Grund für Therapieabbrüche. 

Eine Forschungsgruppe aus Dänemark hat nun bei Mäusen ein neues Target identifiziert, dessen Aktivierung sich als wirksam gegen Adipositas erweisen und ohne gastrointestinale Nebenwirkungen auskommen könnte: den Neurokinin-2-Rezeptors (NK2R). NK2R-Agonisten steigern in erster Linie den Energieverbrauch des Körpers, wie die Forschenden im Fachjournal »Nature« berichten.

Das Team um Frederike Sass vom Novo Nordisk Foundation Center for Basic Metabolic Research (CBMR) der Universität Kopenhagen identifizierte das Target durch genetische Screens, die nahelegten, dass NK2R eine Rolle bei der Aufrechterhaltung des Energiegleichgewichts und der Glukosekontrolle spielt. Die NK2R-Aktivierung bei Mäusen steigerte vorwiegend den Kalorienverbrauch und reduzierte darüber hinaus den Appetit, ohne dass Muskelmasse verloren ging oder Übelkeit auftrat.

Untersuchungen an nicht-menschlichen Primaten vielversprechend

Weitere Studien an nicht-menschlichen Primaten mit Typ-2-Diabetes und Adipositas bestätigten, dass die NK2R-Aktivierung Körpergewicht, Blutzucker, Triglyceride und Cholesterin senken und die Insulinempfindlichkeit erhöhen kann.

»Eine der größten Hürden bei der Arzneimittelentwicklung ist die Übertragung von Mäusen auf den Menschen. Deshalb waren wir begeistert, dass sich die Vorteile des NK2R-Agonismus auch auf diabetische und fettleibige nicht menschliche Primaten übertragen ließen, was einen großen Schritt in Richtung klinische Anwendung darstellt«, sagt Sass in einer Pressemitteilung ihres Instituts.

Ob sich der Neurokinin-2-Rezeptor auch in klinischen Studien als effektives Target beweist, wird sich erst noch zeigen müssen.

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