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Molybdän-Cofaktor-Mangel
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Neues Orphan Drug für Säuglinge

Die Europäische Kommission hat die Substratersatztherapie Fosdenopterin für Säuglinge mit der extrem seltenen neurodegenerativen Erkrankung Molybdän-Cofaktor-Mangel Typ A zugelassen. Es ist die erste in der EU zugelassene Therapie.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 27.09.2022  13:25 Uhr

Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD) ist eine extrem seltene, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung. Weltweit sind weniger als 150 Patienten betroffen. Verursacht wird sie durch Mutationen in mehreren Genen. Betroffene mit MoCD Typ A weisen Funktionsverlust-Mutationen im MOCS1-Gen auf, das für das Molybdän-Cofaktor-Biosyntheseprotein 1 (MOCS1) kodiert. Ohne funktionsfähiges MOCS1 kann das Zwischenprodukt zyklisches Pyranopterinmonophosphat (cPMP) nicht synthetisiert werden und der Molybdän-Cofaktor (MoCo)-Stoffwechselweg ist unterbrochen. Dies führt zu einem Mangel an funktionsfähiger Sulfitoxidase, die von MoCo abhängt, und zu einer Anhäufung von Sulfiten.

Die Folge ist eine rasch fortschreitende Neurodegeneration bei Neugeborenen mit Krampfzuständen, verstärkten Muskelreflexen und Problemen bei der Nahrungsaufnahme. Bislang lag die mittlere Überlebenszeit bei vier Jahren; Überlebende sind häufig stark behindert.

Mit der Substratersatztherapie Nulibry® des irischen Pharmaunternehmens Comharsa Life Sciences Limited ist nun erstmals eine in der EU zugelassene Behandlungsoption verfügbar. Das substituierte cPMP wird zunächst zu Molybdopterin und dann weiter zu MoCo umgewandelt. Indiziert ist das neue Präparat zur Behandlung von Patienten mit MoCD Typ A. Voraussetzung ist, dass eine bestätigte genetische Diagnose oder eine Verdachtsdiagnose vorliegt. Bestätigt sich Letztere in einem anschließenden Gentest nicht, muss Nulibry abgesetzt werden. Die empfohlene Dosis bei Patienten, die jünger als ein Jahr alt sind, richtet sich nach dem Gestationsalter. Detaillierte Angaben zur Anfangsdosis sowie ein Titrationsplan finden sich in der Fachinformation.

Die Zulassung unter außergewöhnlichen Umständen stützt sich auf drei klinische Studien. Die gepoolten Daten zeigen, dass Nulibry im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe mit natürlichem Krankheitsverlauf das Gesamtüberleben signifikant verlängert. Zudem kam es zu einer Verbesserung der Nahrungsaufnahme ohne Hilfe, des Wachstums, der motorischen und kognitiven Entwicklung sowie der Anfallskontrolle und Senkung des S-Sulfocysteins im Urin. Die häufigsten Nebenwirkungen waren infusionsbedingte unerwünschte Ereignisse.

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