| Kerstin A. Gräfe |
| 20.03.2026 16:20 Uhr |
Für Frauen mit oft wiederkehrenden Harnwegsinfekten gibt es mit dem Antiseptikum Methenamin eine Alternative zu einem Antibiotikum. / © Getty Images/Eternalcreative
Chronisch rezidivierende Harnwegsinfektionen (HWI) – definiert als mindestens drei Episoden pro Jahr oder zwei pro Halbjahr – sind mit einer Inzidenz von 1 bis 5 Prozent bei Frauen eine sehr häufige Erkrankung. Für Betroffene ist seit März mit Methenamin (Cystohipp® 1 g Tabletten, Dr. Pfleger) eine neue Therapieoption verfügbar: Das verschreibungspflichtige Präparat ist zugelassen zur Prophylaxe unkomplizierter Infektionen der unteren Harnwege und als Langzeittherapie gedacht. Kurzfristig kann es unter anderen eingesetzt werden bei Patienten mit Kathetern sowie zur Prophylaxe einer HWI bei einem chirurgischen Eingriff.
Das in Cystohipp enthaltene Methenaminbenzamidoacetat ist ein Salz aus Methenamin und Benzamidoessigsäure (Hippursäure), das schnell absorbiert und ausgeschieden wird. Im sauren Milieu wird Methenamin zu Formaldehyd hydrolysiert, das zusammen mit Benzamidoessigsäure die antibakterielle Wirkung im Urin vermittelt. In einer Studie konnte die Einnahme des Antiseptikums oft wiederkehrenden HWI ebenso gut vorbeugen wie ein Antibiotikum.
Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren nehmen zweimal täglich eine Tablette ein. Bei Patienten mit Kathetern kann die Dosierung auf dreimal täglich 1 g erhöht werden. Kinder von sechs bis zwölf Jahren bekommen zweimal täglich eine halbe Tablette. Die Tabletten können halbiert oder zerkleinert und mit Wasser eingenommen werden. Bei alkalischem Urin kann die Zufuhr eines Säuerungsmittels erforderlich sein.
Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Ausschlag und Blasenreizung.
Die Einnahme von alkalischen Wirkstoffen und Antazida ist zu vermeiden. Gleiches gilt für Sulfonamide, da ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Kristallen im Urin besteht.
Kontraindiziert ist der neue Wirkstoff bei Infektion der Niere, Niereninsuffizienz, schwerer Dehydrierung und Gicht sowie bei Leberfunktionsstörung und metabolischer Azidose.
Cystohipp sollte vorsichtshalber während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Während der Stillzeit kann das Präparat angewendet werden, jedoch sollte das Stillen nach der Einnahme für vier Stunden pausiert werden.