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Saarland
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Neues Aktionsbündnis warnt vor Versorgungskollaps

Das neu gegründete Aktionsbündnis Gesundheit im Saarland fordert die Politik auf, aus einer jahrelangen Mangelverwaltung umgehend ein solides System zu formen: Die Gesundheitsversorgung, so wie wir sie kennen, sei am Ende.
AutorKontaktPZ
Datum 24.01.2024  14:30 Uhr

In dem Bündnis haben sich erstmals Akteure des Gesundheitswesens mit unterschiedlichen Interessen sowie Patientenvertreter zusammengeschlossen, darunter die Apothekerkammer des Saarlandes, der Saarländische Apothekerverein und die Ärztekammer des Saarlandes. Lange Wartezeiten auf Arzttermine, überfüllte Notaufnahmen, Apotheken, die wichtige Medikamente nicht mehr haben – die Bürger würden an allen Ecken und Enden merken, dass es im deutschen Gesundheitssystem hakt, kritisieren die Bündnispartner in einer heute veröffentlichten Mitteilung. 

»Gegen die Wand gefahren«

Kritik hagelt es an der »völlig verfehlten Gesundheitspolitik« der letzten Jahrzehnte. »Wir halten nicht mehr mit Vollgas auf die Wand zu, wir sind bereits gegen die Wand gefahren«, wie Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, die Dramatik der Situation beschreibt. Ein Kernproblem sei der Fachkräftemangel: »Viele Arzt- oder Zahnarztpraxen sind telefonisch kaum noch erreichbar oder müssen sogar die Sprechstundenzeiten einschränken, weil es nicht genügend Personal für einen ordnungsgemäßen Betrieb in Haus-, Zahn- und Facharztpraxen gibt«, so Mischo.

Auch in den Krankenhäusern seien immer wieder ganze Stationen nicht mehr zu betreiben, weil aufgrund von fehlendem Personal die vorgegebenen Personalschlüssel nicht mehr erfüllt werden könnten. Dies hänge unter anderem damit zusammen, dass die Gesundheitsberufe nicht mehr attraktiv seien, wozu auch die überbordende Bürokratie ihren Anteil leiste.

»Ineffiziente Doppelstrukturen«

Ein weiteres Problem sieht Peter Springborn, Landesgeschäftsführer des Sozialverbands VdK Saarland, in der fehlenden Lenkung der Patienten durch das System: »Wir leisten uns Doppelstrukturen. Das ist ineffizient und verschlingt Ressourcen, die wir eigentlich für die Patienten brauchten. Obendrein bürdet es den Patienten Aufgaben auf, die diese gar nicht erfüllen können, wie beispielsweise die Organisation einer Kurzzeitpflege«.

Für das Aktionsbündnis Gesundheit sei ein Punkt erreicht, bei dem ein »Weiter so« nicht möglich sei. Schuld »an der Misere« seien weder Apotheker, Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Pflegekräfte oder Medizinische Fachangestellte. Vielmehr appelliert das Bündnis an die Politik in Land und Bund, »den Bürgern endlich die Wahrheit über die Situation der Gesundheitsversorgung zu sagen und das Richtige zu tun, um das System auf sichere finanzielle Füße zu stellen, Fehlanreize zu beseitigen und zukunftsfeste Strukturen zu schaffen«.

»Gesundheitsmodell Saarland«

Gemeinsam fordern die Bündnispartner, der Gesundheitsversorgung als »zentrales Element der Daseinsvorsorge« höchste Priorität einzuräumen. Gleichzeitig bietet das Bündnis an, auch über Auswege aus der Krise zu sprechen. Da viele Entscheidungen auf bundespolitischer Ebene fallen würden, schlägt das Aktionsbündnis vor, gemeinsam nach alternativen Konzepten zu suchen, wie die Versorgung der Bevölkerung im Saarland auf hohem Niveau und zu bezahlbaren Kosten gesichert werden könne.

Daraus könne ein »Gesundheitsmodell Saarland« entwickelt werden, um im Saarland diese Konzepte zu testen und aus den Erfahrungen für das Gesundheitswesen in Deutschland insgesamt zu lernen. Das Bündnis bietet der saarländischen Landesregierung an, gemeinsam über ein solches Modellprojekt zu verhandeln.

Weitere Mitglieder des Aktionsbündnisses Gesundheit sind die Ärztekammer des Saarlandes Abteilung Zahnärzte, das Facharztforum Saar, die Kassenärztliche Vereinigung Saarland, die Kassenzahnärztliche Vereinigung Saarland, die Psychotherapeutenkammer des Saarlandes, die Saarländische Krankenhausgesellschaft, der Saarländische Hausärzteverband, der Saarländische Pflegebeauftragte und der Sozialverband VdK Saarland.

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